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31.07.2010, 4:28


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Allergien - Was dagegen hilft

"Komisch, als ich Kind war, da hörte man nie etwas davon!" Diese Behauptung der Großeltern muss wohl wahr sein, denn auch Wissenschaftler stellen fest, dass Allergien in erschreckendem Maße zugenommen haben. Während man über die Ursachen noch spekuliert, lassen sich die Symptome meist gut behandeln.

Prinzipiell kann jeder Stoff aus der Umwelt eine Allergie auslösen. Man nennt diese Auslöser Allergene oder Antigene. Bei den meisten Allergenen handelt es sich um Eiweiße tierischer oder pflanzlicher Herkunft, beispielsweise von Blütenpollen, Milben, Schimmelpilzen oder Nahrungsmitteln. Aber auch das unübersehbare Arsenal chemischer Verbindungen im modernen Leben liefert jede Menge Antigene. Mehr und mehr davon meint der menschliche Körper als Feinde zu erkennen und vernichten zu müssen.

Man geht heute davon aus, dass die ausufernde Hygiene in allen Lebensbereichen das Immunsystem nahezu arbeitslos macht. So wendet es sich gegen Stoffe, die für den Körper eigentlich ungefährlich sind. Kinder, die auf dem Land und dort auf einem Bauernhof groß werden, leiden seltener unter Allergien als andere Kinder. Ihr Immunsystem ist ausreichend mit "echten" Keimen beschäftigt.

Wie eine Allergie beginnt

Beim ersten Kontakt mit einem Stoff werden vom Immunsystem Antikörper gebildet, die spezifisch für diesen Stoff sind und in der Lage, ihn jederzeit wieder zu erkennen. Diese Antikörper werden IgE genannt – das "E" steht für "Erstkontakt". Sie verursachen zunächst noch keine Reaktion, da der unbekannte Stoff, das potenzielle Allergen, neu ist. Diesen Vorgang nennt man "Sensibilisierung". Beim nächsten Kontakt geht es dann aber los: Kaum erkennen die IgE-Antikörper ihren Feind, verbinden sie sich mit speziellen weißen Blutkörperchen, so genannten Mastzellen. Der daraus entstandene Komplex heftet sich an das Allergen, vielleicht einen Blütenpollen von Pflanzen. Ein Vorgang, der die Mastzellen veranlasst, Botenstoffe auszuschütten, die die allergische Reaktion im Körper weitervermitteln. Ein solcher Botenstoff ist das Histamin, das in der Reaktionskette der Allergien eine entscheidende Rolle spielt und vor allem in den Schleimhäuten vorkommt. Es erweitert die kleinen Blutgefäße, was zu einer Hautrötung führt. Aus den Blutgefäßen tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus, wodurch die Schleimhäute anschwellen. Darüber hinaus reizt Histamin sensible Nervenenden. Die Folgen: Es juckt, die Nase läuft, die Augen tränen, die Bronchien produzieren mehr Schleim.

Wer ist besonders anfällig?

Die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu entwickeln, ist höher, wenn der Körper durch aktives oder passives Rauchen oder dauerhaften emotionalen Stress belastet ist. Stress kann die der Allergie zugrunde liegenden Immunprozesse verstärken. Zudem erniedrigt er die Konzentration des körpereigenen Hormons Kortisol, das Allergien entgegen wirkt. Die vermehrte Bereitschaft zur Allergie besteht auch dann, wenn die Eltern Allergiker sind. Zwischen 40 und 60 Prozent aller Kinder mit zwei allergischen Eltern leiden ebenfalls darunter. Geerbt haben die Kinder nicht die Allergie selbst, sondern die Tendenz, eine solche zu entwickeln.

Erst in der Kombination aus erblicher Anlage plus Allergen entsteht dann die Allergie. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Allergiebereitschaft des Kindes durch vier- bis sechsmonatiges Stillen sinkt. Eine Allergie kann zu jeder Zeit erstmals auftreten, bei den meisten Menschen beginnt sie allerdings zwischen dem 5. und 14. Lebensjahr.

Nicht ausreichend behandelt, "rutscht" mancher Heuschnupfen mit den Jahren als Asthma in die Bronchien, was wissenschaftlich "Etagenwechsel" heißt, oder zeigt sich als Nahrungsmittelallergie. Mit der richtigen Therapie stehen die Chancen gut, diesem Verlauf vorzubeugen.

Jedem seine Therapie

Eine Allergie ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Was wem hilft, kann sehr unterschiedlich sein. Zunächst einmal gibt es bisher nur eine einzige Strategie, die wirklich an den Kern des Problems, das überreizte Immunsystem, heranreicht. Das ist die so genannte "De- oder Hyposensibilisierung". Dabei wird der Körper immer wieder und mit steigenden Dosen des Allergens konfrontiert; es wird unter die Haut gespritzt oder unter die Zunge getropft. So gewöhnt sich das Immunsystem langsam daran, und das Allergen löst keine allergische Reaktion mehr aus. Das funktioniert aber nur, wenn sich die Allergene eindeutig identifizieren lassen. Die Prozedur muss meist mehrfach wiederholt werden, stellt dafür aber eine ursächliche Behandlung dar. Die Hyposensibilisierung darf nur von einem Facharzt, einem Allergologen, vorgenommen werden, da der Organismus in wenigen Fällen gefährlich heftig reagieren kann. Deshalb muss der Patient nach jeder verabreichten Dosis noch mindestens eine halbe Stunde zur Kontrolle in der Praxis bleiben. Nicht desensibilisiert werden dürfen Patienten mit bestehendem Immundefizit, Asthma oder psychischen Störungen sowie Menschen, die mit Betablockern behandelt werden und Kinder unter fünf Jahren; Ausnahme hier: eine Insektengiftallergie.

Die meisten anderen Allergie-Medikamente richten sich gegen die Symptome. Am bekanntesten sind die Antihistaminika. Sie besetzen die Histamin-Bindungsstellen an den Blutgefäßen in den Schleimhäuten und verdrängen das dort bereits angedockte Histamin. So lindern sie auch die Histaminvermittelten Reaktionen. Einen anderen Weg beschreitet man mit Mastzell-Stabilisatoren wie Cromoglicinsäure oder Nedocromil-Natrium. Sie wirken antiallergisch, indem sie die äußere Hülle der Mastzellen abdichten, so dass diese kein Histamin mehr ausschütten können. Bis die Wirkung eintritt, vergehen zehn bis 14 Tage, deshalb müssen Mastzell-Stabilisatoren bereits vorbeugend angewendet werden.

Das am stärksten wirksame Antiallergikum ist das verschreibungspflichtige Kortison. Leider sehen es viele Menschen aufgrund der Nebenwirkungen alter Präparate bei langer und hoch osierter Anwendung als Teufelsarznei. Doch unter ärztlicher Kontrolle sind moderne Kortison-Medikamente nahezu nebenwirkungsfrei und dabei sehr effektiv. Bei Heuschnupfen ist Kortison-Nasenspray praktisch Mittel der Wahl. Es ermöglicht die ungehinderte Nasenatmung schnell wieder und schützt vor dem Etagenwechsel zum allergischen Asthma. Als Tabletten gegen andere Allergien und als Augentropfen sollte man Kortison nur kurzfristig über etwa eine Woche anwenden und dann wieder Rücksprache mit dem Arzt halten.

Apothekerin
Andrea A. Lubliner


Gut leben trotz Pollenflug
Schauen Sie in einen Pollenflugkalender, wann "Ihre" Pollenzeit ist. Dann können Sie folgende Vorsichtsmaßnahmen treffen:
1. Halten Sie die Fenster geschlossen, vor allem in den Morgenstunden, bei trockenem und windigem Wetter. Wollen Sie lüften, dann in den Abendstunden oder nach Regen, da dann der Pollenflug geringer ist.
2. Da die Haare Pollenfänger sind, sollte man sie jeden Abend vor dem Zubettgehen waschen. Wäsche nicht an der frischen Luft trocknen.
3. Keine Angst vor einem Spaziergang! Aber wählen Sie die Zeit nach einem Regenguss oder die Abendstunden.
4. Beim Autofahren am besten Fenster schließen und die Lüftung abschalten. Pollenfilter gibt es übrigens auch zum Nachrüsten.
5. Nutzen Sie Ihren Urlaub dazu, Ihrer Pollenzeit zu Hause auszuweichen! Das Hochgebirge ist eher was für Milbenallergiker, während Wind vom Meer her meist kaum Pollen trägt.
6. In Ihren Garten sollten Sie keine Birken oder Haselnüsse pflanzen. Viel besser für Sie sind Moose, Farne, Lavendel oder Rosen. Muss Rasen gemäht werden, bitten Sie ein Familienmitglied oder einen Freund um den Gefallen. Den ganzen Sommer über sollte der Rasen möglichst kurz gehalten werden, damit sich keine Gräserpollen bilden.


03/2006



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