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31.07.2010, 4:31


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Bluthochdruck


Bluthochdruck ist eine schleichende Erkrankung. Mangels eindeutiger Symptome bleibt sie lange unbemerkt. Doch während sich Betroffene noch in Sicherheit wiegen, beginnt in ihren Gefäßen das Zerstörungswerk, oft durch eine Arteriosklerose verstärkt. Experten warnen vor den Folgen: Das Hauptrisiko bei unbehandeltem Bluthochdruck ist der Schlaganfall, meist ausgelöst durch Verschlüsse von Hirngefäßen.

Nierenversagen durch Bluthochdruck

An zweiter Stelle ist zu nennen, dass Bluthochdruck ein Risikofaktor für Herzerkrankungen ist, zum Beispiel für die Linksherzvergrößerung und damit letztlich für Herzschwäche und Herzversagen. Aber nicht nur das Gehirn und das Herz kann es treffen, sondern auch die Nieren. Erhebungen in Europa zeigen, dass bei 15 bis 25 Prozent der Patienten mit Nierenversagen der Bluthochdruck die Ursache darstellt.

Kontrolle einmal im Jahr

Um dem Hochdruck in den Gefäßen auf die Schliche zu kommen, hilft nur eines, nämlich den Blutdruck gelegentlich zu messen. Menschen, die bislang immer einen normalen Blutdruck hatten, sollten ihre Werte einmal im Jahr kontrollieren. Bei Einstellung eines Bluthochdrucks mit Medikamenten sollte man morgens und abends messen.

Bei den Messungen ist Eigeninitiative gefragt

Später, wenn der Blutdruck stabil ist und sich an den Medikamenten nichts ändert, muss man das nicht mehr jeden Tag machen. Grundsätzlich wird der Arzt versuchen, Menschen mit Bluthochdruck zu Selbstmessungen daheim anzuleiten. Diese spiegeln viel besser die Risiken für Herz, Kreislauf und Nieren wider, weil es der Blutdruck in Alltagsituationen ist, und der ist entscheidend für mögliche Organschäden.

Vor der Messung kurz verschnaufen

Unabdingbar ist, dass die Messtechnik stimmt. Bei Messgeräten, die mit einer Manschette am Oberarm messen, muss der Arm locker auf der Tischplatte aufgelegt sein oder am Körper herunterhängen. Vor der Messung sollte man eine kurze Ruhepause einlegen. Schwieriger sind Messungen mit Handgelenkgeräten. Oft wird nicht darauf geachtet, dass sich das Messgerät auf Herzhöhe befindet und der Arm entspannt ist. Das in der Regel nur, wenn man den Arm im Sitzen auf ein Kissen legt. Schon zehn Zentimeter Unterschied von der richtigen Höhe bedeuten bei der Blutdruckmessung ungefähr zehn Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) Unterschied. Auch der richtige Arm spielt eine Rolle: Wenn Unterschiede von mehr als zehn mmHg zwischen linkem und rechtem Arm bestehen, dann sollte man immer den Arm nehmen, der den höheren Wert hat.

Möglichkeiten für Messfehler

Bei Diabetikern oder älteren Patienten passiert es gelegentlich, dass Messwerte für den Blutdruck fälschlicherweise zu hoch ausfallen. Als Ursache kommen arteriosklerotische Umbauvorgänge in der Gefäßwand in Frage, die die Messungen verfälschen können. In diesen Fällen sollte ein Arzt den Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Außerdem muss man bei sehr dicken Oberarmen auf die passende Manschettengröße achten, um nicht auch in diesem Fall zu hohe Werte zu erhalten. Eine Beratung zur Messung des Blutdruckes und zu geeigneten Geräten bietet jede Apotheke.

So sinken die Blutdruckwerte

Liegen zweifelsfrei zu hohe Blutdruckwerte vor, kann man einiges tun, um sie zu senken. Für Übergewichtige steht an erster Stelle das Abspecken überschüssiger Pfunde. Mit jedem Kilo weniger sinkt der Blutdruck im Durchschnitt um zwei mmHg. Viele Krankenkassen bieten Materialien zum Selbsttesten des eigenen Ernährungsverhaltens und Programme zu dessen schrittweiser Veränderung an.

Wenig Kochsalz und Alkohol

Außerdem raten Experten dazu, mit Kochsalz sparsam umzugehen, den Alkoholkonsum zu verringern und sich mehr zu bewegen. Wer anfällig für Stress ist, sollte versuchen, mit Autogenem Training, progressiver Muskelentspannung nach Jacobson oder mit Spaziergängen in der Natur wieder mehr Ruhe in den Alltag zu bringen. Unterstützung bieten auch Extrakte mit Baldrian, Hopfen und Melisse aus der Apotheke.

Für Risikopatienten gelten besondere Werte

Aber nicht immer genügen solche Maßnahmen, um den Blutdruck unter die kritische Marke von 140 / 90 mmHg zu senken. Zumal Risikopatienten noch niedrigere Werte anstreben sollten, Diabetiker zum Beispiel Werte von unter 135 / 85 und bei beginnender Nierenschädigung von unter 130 / 80 mmHg. Neben einer gesünderen Lebensweise helfen dabei Medikamente.

Zu Therapiebeginn ist Geduld nötig

Begonnen wird mit einem einzelnen Wirkstoff, wobei der Arzt ihn gerade zu Anfang eventuell einige Male wechseln muss, bis der Blutdruck ausreichend sinkt. Nicht jeder Wirkstoff hilft jedem Patienten gleich gut, hier ist etwas Geduld erforderlich. Außerdem muss sich der Körper an den gesünderen niedrigen Blutdruck erst wieder gewöhnen, was zunächst Beschwerden machen kann. Hilft ein einzelner Wirkstoff nicht ausreichend, wird ein weiterer hinzugefügt.

Arzneistoffe schützen Organe

Liegen besondere Risikofaktoren oder gar Organschäden vor, sollten Arzneistoffe zum Einsatz kommen, die nicht nur durch die Blutdrucksenkung wirken, sondern zusätzliche Schutzeffekte für bedrohte Organe haben. Bei einer beginnenden Nierenschädigung helfen beispielsweise Wirkstoffe, die das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin II blockieren, zum Beispiel ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker.

Eine Einheitsbehandlung gibt es nicht

Leidet ein Mensch mit Bluthochdruck bereits unter einer Nierenschwäche, werden stark wassertreibende Substanzen empfohlen. Bei Erkrankungen der Herzgefäße zusätzlich zum Bluthochdruck stehen an erster Stelle die Wirkstoffgruppe der so genannten Beta-Blocker und wiederum die ACE-Hemmer. Eine Einheitsbehandlung jedoch gibt es nicht, in jedem Einzelfall muss der behandelnde Arzt die Arzneistoffe individuell zusammenstellen.

"Tablettenferien" haben nur Nachteile

Bleibt der Blutdruck unregelmäßig oder zu hoch, liegt dies vielfach daran, dass Betroffene ihre Tabletten nicht regelmäßig einnehmen. "Tablettenferien" sind jedoch doppelt nachteilig: Erstens bleibt der Blutdruck zu hoch, und zweitens bekommt man oft weitere Mittel verschrieben, die eigentlich nicht gebraucht werden. Es häufen sich nicht nur die Kosten für die Krankenkassen, sondern auch mögliche Nebenwirkungen, so dass die Bereitschaft, die notwendigen Tabletten einzunehmen, noch weiter sinkt. Dafür aber ist der Bluthochdruck eine zu gefährliche Erkrankung.

Studien zum Thema Bluthochdruck

Je höher der obere (systolische) der Blutdruckwert, desto höher ist bei Männern die Gefahr einer verminderten Hirnleistung im Alter, so Wissenschaftler in Honolulu nach einer Untersuchung von 3735 Männern.

Laut einer Studie der Berliner Charité können Menschen mit hohem Blutdruck diesen durch regelmäßige Besuche in der Niedrigtemperatur-Sauna senken. Nach zehn Wochen sank bei den untersuchten Saunagängern, der obere (systolische) Blutdruckwert von durchschnittlich 151 auf 135 mmHg, der untere (diastolische) von 91 auf 81 mmHg. Die Patienten hatten ihre Medikamente wie gewohnt eingenommen. Die Saunabesuche sollten ur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.
Etwa die Hälfte aller Versuche, einen erhöhten Blutdruck zu senken, schlägt fehl, weil die Patienten ihre Arzneimittel nicht nach Vorschrift des Arztes anwenden. 40 Patienten erhielten zwei Monate elektronische Pillendosen, mit denen Wissenschaftler der Universität Lausanne kontrollieren konnten, ob die Tabletten regelmäßig eingenommen wurden. Das Bewusstsein, ständig überprüft zu werden, verbesserte bei den Patienten die Arzneimittel-Einnahme anscheinend deutlich: Bei mehr als der Hälfte der Patienten sank der Blutdruck in den zwei Monaten auf normale Werte, bei sechs weiteren verbesserte er sich deutlich.

Alltägliche Aktivitäten, wie zu Fuß einkaufen oder Treppen steigen, können die Fitness verbessern. 235 Frauen und Männer im Alter von 35 bis 60 Jahren Teilnehmer machten entweder drei- bis fünfmal in der Woche 20 bis 60 Minuten Gymnastik oder sie erledigten täglich mäßig anstrengende Tätigkeiten wie Treppen steigen. Nach zwei Jahren stellten die Wissenschaftler bei den Teilnehmern beider Gruppen einen niedrigeren Blutdruck und einen geringeren Anteil an Körperfett fest.
Starre Arbeitsabläufe und geringer persönlicher Einfluss darauf belasten Herz und Kreislauf. Wissenschaftler des Londoner University College analysierten die Daten von 7 000 Beschäftigten auf Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Herzerkrankungen. Das Risiko, innerhalb von fünf Jahren einen Herzinfarkt oder Angina pectoris zu erleiden, war in den untersten Rangstufen der Beschäftigten um 50 Prozent höher als bei leitenden Angestellten. Der Einfluss psychosozialer Faktoren war dabei größer, als die erbliche Veranlagung, ungesunde Lebensweise oder ungenügende gesundheitliche Vorsorge.

Wer täglich mehr als 21 Minuten zur Arbeit läuft, hat gute Chancen, Bluthochdruck vorzubeugen, so eine japanische Studie an der 6017 gesunde Männer von 35 bis 60 Jahren teilnahmen. Wissenschaftler empfehlen deshalb pro Tag 30 bis 45 Minuten körperliche Bewegung an frischer Luft. Kann man die nicht erübrigen, ist der Fußmarsch zur Arbeit ein sinnvoller Ausgleich.

Die Aussichten für jüngere Frauen mit Herzinfarkt scheinen schlechter als die für Männer zu sein. Einer US-amerikanischen Studie zufolge, überleben etwa 29 Prozent der unter 60-jährigen Frauen die nächsten zwei Jahre nach einem Infarkt nicht. Bei gleichaltrigen Männern liegt die Rate dagegen bei etwa 19 Prozent. Männer haben allerdings gerade in jüngeren Altersgruppen deutlich häufiger Herzinfarkte.

Häufige Ohnmachtsanfälle mit einem kurzzeitigen Verlust der Muskelspannung, so genannte Synkopen, können ein Warnzeichen für eine ernste Herzerkrankung sein. Daher sollte bei einer Häufung dieser Ereignisse das Herz genauer untersucht werden. Synkopen können darüber hinaus auch als Vorboten von Schlaganfällen auftreten, zusammen mit anderen Störungen wie kurzzeitigen Lähmungen oder Seh- und Sprachstörungen.

Verheiratete Frauen haben nach einem Herzinfarkt schlechtere Genesungsaussichten als Alleinlebende. Umgekehrt haben Frauen auf ihre Männer im Falle eines Infarkts eine lebensverlängernde Wirkung. Nach einem Infarkt ist deren Überlebenswahrscheinlichkeit doppelt so hoch wie bei einem unverheirateten Mann. Gründe für diesen Unterschied: Frauen hören besser zu und geben ihren Männer soziale Unterstützung. Das baut bei den Männern herzschädlichen Stress ab. Frauen würden dagegen immer häufiger unter der Doppelbelastung von Beruf und Familie stehen. Zudem nehmen sie sich familiäre Probleme stärker zu Herzen.



Beratung zu Bluthochdruck:

Die Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. bietet einen Telefonservice für Menschen an, die Fragen zu Bluthochdruck und seinen Folgeerkrankungen haben.

Rufnummer: 06221 474800
Sprechzeiten: Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr
(Kein Notfall-Telefon und kein Diagnosedienst)
Internet: www.hochdruckliga.info



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