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31.07.2010, 4:45


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Neue Behandlungswege bei Brust- und Eierstockkrebs

Wenn man auch fortgeschrittene Stadien des Brust- und Eierstockkrebses oft nicht mehr heilen kann, so lässt sich doch eine Verschlechterung der Situation durch eine wachsende Zahl neuer Arzneistoffe immer weiter hinauszögern. Lesen Sie hier etwas über neue Erkenntnisse zu den so genannten Aromatasehemmern und dem Chemotherapeutikum Gemcitabin.

Arzneistoffe gegen hormonempfindliche Brustkrebsherde

Die so genannten Aromatasehemmer könnten die Standardbehandlung von Patientinnen nach einer Operation hormonabhängiger Brustkrebsherde verändern. Studiendaten zeigen, dass diese neuen Arzneistoffe sehr wirksam sind.
Das Antiöstrogen Tamoxifen gehörte bisher zur Standardtherapie für Frauen nach den Wechseljahren, die we-gen eines hormonabhängi-gen Brustkrebses operiert wurden. Die Therapie sollte dazu beitragen, das Rückfallrisiko zu senken. Antiöstrogene blockieren Andockstellen für das Geschlechtshormon Östrogen an Brustkrebsherden, denen dadurch körpereigenes Östrogen als wichtigster Wachstumsfaktor entzogen wird. Gemäß aktueller Erkenntnisse scheinen nach fünf Jahren jedoch die Nachteile dieser krebshemmenden Therapie deren Vorteile zu überwiegen.

»Neue amerikanische Studien zeigen, dass die Tamoxifen-Therapie dann nicht nur ihre Wirkung verliert, sondern darüber hinaus sogar schädlich ist«, warnte Privatdozent Dr. Christian Jakisch aus Marburg auf einer Expertenveranstaltung. Keinesfalls sollte dieser Einnahmezeitraum überschritten werden, zumal die Medizin mit so genannten Aromatasehemmern mittlerweile über effektive Alternativen verfügt. Diese, so Jakisch, können das auch nach fünf Jahren noch bestehende hohe Rückfallrisiko verringern.

Anders als die Antiöstrogene verhindern Aromatasehemmer die Bildung von Östrogenen, indem sie das an der Hormonentstehung beteiligte Enzym Aromatase blockieren. Eine weltweite Studie mit 5000 Patientinnen hat gezeigt, dass die Anwendung des Aromatasehemmers Letrozol nach abgeschlossener Therapie mit Tamoxifen die weiterhin große Gefahr eines Rückfalls um nahezu 50 Prozent vermindert und zugleich die Entstehung von Fernmetastasen reduzieren kann. Bei Patientinnen mit Befall der Lymphknoten schon zum Zeitpunkt der Diagnose sank die Sterberate um 39 Prozent.

"Die heute verfügbaren Daten lassen erkennen, dass die Wirkung von Aromatasehemmern der Wirkung des Tamoxifens in nahezu allen Bereichen überlegen ist." Wie Jakisch sprach auch Professor Dr. Fritz Jänicke aus Hamburg-Eppendorf von überzeugenden Ergebnissen der modernen Anti-Hormon-Therapeutika. Die Aromatasehemmer seien derzeit im Begriff, dem Klassiker Tamoxifen den Rang als Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Brustkrebs abzulaufen.

Die Onkologen unterstrichen, dass nicht zuletzt bei unakzeptablen Nebenwirkungen von Tamoxifen der frühe Wechsel zu einem Aromatasehemmer sinnvoll sein kann. Sie plädierten daher für eine maßgeschneiderte Therapie ge-mäß individueller Risikofaktoren. Ob Chemo-, Hormon- oder Strahlentherapie: Immer müsse zur Aufrechterhaltung der Lebensqualität auf ein Gleichgewicht zwischen durch den Tumor bedingten Beschwerden und Nebenwirkungen der Therapie geachtet werden.

Apothekerin
Dr. Christiane Berg



Starke Kombinationen in der Chemotherapie

Der Wirkstoff Gemcitabin, der in Deutschland seit 1996 für die Chemotherapie gegen Krebs zur Verfügung steht, bewährt sich bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse, der Lunge, der Harnblase und neuerdings auch bei fortgeschrittenem Brust- und Eierstockkrebs.
Bei einer Veranstaltung am Rande des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hamburg sagte der Frankfurter Gynäkologe Dr. Gunter von Minckwitz, Gemcitabin sei bei der üblichen Kombinationstherapie ein starker Partner im Verbund mit anderen Medikamenten gegen Krebs.

Studien belegen, dass bei Brustkrebs mit Tochtergeschwulsten (Metastasen) und überwiegend ungünstiger Prognose die Kombination der Chemotherapeutika Paclitaxel und Gemcitabin gegenüber der bisherigen Therapie nur mit Paclitaxel überlegen ist.
Die durchschnittliche Überlebensdauer ließ sich mit der Kombination von 15,8 Monate auf 18,5 Monate nach Abschluss der Primärtherapie verlängern. Die Kombination wirkte effektiver, die Nebenwirkungen blieben gleich, und die Lebensqualität der Frauen verbesserte sich deutlich.
Als ähnlich günstig bezeichnete Professor Dr. Jacobus Pfisterer von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Universität Kiel die Arzneimittelwirkung beim erneuten Auftreten eines platinsensitiven Eierstockkrebses (Ovarialkarzinom). Kombinationspartner von Gemcitabin ist hier allerdings der Wirkstoff Carboplatin. Diese Kombination von Arzneistoffen ist für die Behandlung nach der radikalen operativen Entfernung des Tumors in Deutschland seit Mai 2004 zugelassen.

Der Eierstockkrebs ist an sich relativ selten. In der Bundesrepublik erkranken daran jährlich rund 7 500 Frauen, das sind ganze 4,2 Prozent aller Krebsfälle bei Frauen. Da das Ovarialkarzinom aber meist sehr spät erkannt wird, sind die Erfolgsaussichten der Behandlung schlecht. Es kommt häufig zu Rückfällen in kur-zen Zeitabständen. Eine von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie initiierte Studie mit 356 Patientinnen, die Rückfälle erlitten hatten, belegt, dass die Kombination von Gemcitabin und Carboplatin die Zeit ohne Krankheitsrückfall verlängert und die Lebensqualität der Frauen verbessert.

Max Conradt

02/05




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