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31.07.2010, 4:29


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Das Knie ist kompliziert und empfindlich


Das Knie schmerzt am häufigsten, wenn es anhaltend überlastet wird. Wer betroffen ist, hat Schmerzen im Bereich der Kniescheibe, besonders wenn es Treppen hinauf- oder herunter geht, beim Hinsetzen und bei langem Sitzen im Auto, Flugzeug, Kino oder Theater. Der Schmerz resultiert aus muskulären Dysbalancen an jenen Gelenkstrukturen, die für das Beugen und Strecken des Knies zuständig sind. Die schmerzhafte Störung ist letztendlich auf einseitige körperliche Belastung zurückzuführen. Oder sie ist die Folge von unzureichendem Körpertraining.

Menisken, Bänder, Rheuma

Jüngere Menschen zwischen 15 und 35, die Volley- oder Basketball, Handball oder Eishockey spielen, ebenso die Weit- und Hochspringer, laborieren besonders häufig an diesem Überlastungssyndrom. Andere Schmerzursachen sind Verletzungen von Menisken und Bändern, die bei Sport-, manchmal auch bei Verkehrsunfällen auftreten, und nicht zuletzt die Rheuma-Krankheiten Arthritis und Arthrose.

Kreuzbänder und Sehnen sorgen für Stabilität

Wie der Chefarzt der orthopädischen Abteilung im Hamburger Krankenhaus Barmbek, Professor Dr. Ekkehard Hille, hervorhebt, ist das Kniegelenk – das größte Gelenk des Körpers – kompliziert konstruiert und zudem sehr empfindlich. Muskeln, Sehnen und Bänder halten Ober- und Unterschenkel dort, wo beide im Kniegelenk aufeinander treffen, zusammen. Eine stabile knöcherne Verbindung, wie man sie vom Hüftgelenk mit Hüftpfanne und Hüftkopf kennt, gibt es beim Kniegelenk nicht.

Intakt ein stabiles System

Zwischen den mit Knorpel überzogenen Enden von Ober- und Unterschenkel befinden sich der Innen- und der Außenmeniskus. Sie puffern den auf das Kniegelenk einwirkenden, mitunter starken Druck ab. Das innere und das äußere Seitenband, die beiden sich im Gelenkinnern kreuzenden Kreuzbänder sowie die Kniescheibe als Teil einer zum Oberschenkelmuskel gehörenden Sehne sorgen für Stabilität – so lange alles intakt ist. Doch die vielen Einzelteile des Knies verstärken seine Anfälligkeit für Verletzungen und Verschleiß.

Müde Muskeln durch Fehlbelastung

Gibt es beispielsweise beim Laufen einen plötzlichen Richtungs-wechsel, wie er bei fast jeder Art von Bewegungssport üblich ist, dann droht die periphere (Seitenbänder, Gelenkkapsel und Menisken) sowie die zentrale Rotationsbremse (beide Kreuzbänder) zu reißen. Auch Fehler beim Training und ungünstiges Trainingsgelände (zu steil oder nach einer Seite hängend) können sich nachteilig auf das Knie auswirken. Außerdem kommt es vor, dass Fehlbelastungen ebenso zu einer Ermüdung der Muskulatur führen wie die anatomischen Fehlformen X- und O-Beine oder Längendifferenzen bei den Beinen.

Medikamente helfen, aber heilen nicht

Vielfältig sind heute die Möglichkeiten der Therapie. Spezielle Kniebandagen schützen und stützen die Knie beim Sport und Alltagsbewegungen, bei denen das Knie vermehrt beansprucht wird. Gegen den auf einer Rheuma-Erkrankung basierenden Knieschmerz gibt es vor allem die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), also die kortisonfreien Schmerzmittel. Sie können auch die Gelenkentzündung zurückdrängen können. Die mittel helfen in aller Regel schnell und gut, heilen die Krankheit aber nicht. Das gilt auch für die neueren COX-2-Hemmer, die aber weniger Magenbeschwerden verursachen. Krankengymnastik und physikalische Therapien gehören zu den Standards jeder Rheuma-Behandlung.

Möglichst viel erhalten

Liegt ein Meniskus-Riss vor, werden heute nicht mehr die Trümmer komplett entfernt, sondern der Meniskus wird in dem Teil genäht, der durchblutet ist. Von dem anderen Teil wird nur so viel entfernt wie nötig erscheint. In Deutschland kommt es in einem Jahr zu rund 300 000 Meniskusverletzungen. Es gibt Versuche, aus Sehnen einen Meniskusersatz zu formen. Außerdem wird versucht im Knie auf einem Kollagengerüst, das mit Meniskuszellen des Patienten besiedelt ist, einen Meniskus neu wachsen zu lassen.

Kreuzbandersatz

Einfacher erscheint da der Ersatz des ebenfalls häufig verletzten vorderen Kreuzbandes, indem man einen Streifen aus der Kniescheiben-Sehne mit Knochenanteilen heraustrennt und in das Kniegelenk verpflanzt. Auch die so genannte Semitendinosus-Sehne kann als Kreuzbandersatz genommen werden. Sie muss aber dazu ihre Struktur umbauen, was rund zwei Jahre dauert.

100 000 Gelenke werden pro Jahr ersetzt

Letzter Rettungsanker für das schmerzende Gelenk ist der Gelenkersatz, der in Deutschland 100 000 Mal im Jahr eingesetzt wird. Es ist aber fast nie mehr, wie Hille erwähnt, ein komplettes Gelenk mit den langen, in Ober- und Unterschenkel eingelassenen Schäften.

Computer hilft bei Gelenkersatz

Man beschränkt sich immer häufiger auf Metall- oder Kunststoff-Flächen, die nur noch die oben liegenden, zerstörten Knorpelanteile an den Knochenenden bedecken. Meistens sind sie ausreichend, um dem Patienten den Bewegungsschmerz zu nehmen. Beim Einbau jeglicher künstlicher Gelenke kann heute dem Operateur ein per Computer gesteuerter Navigator dabei helfen, die Prothese präzise in die Position zu bringen, die anatomisch am günstigsten ist.



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