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Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs
Nächstes Jahr soll es einen Impfstoff geben, mit dem sich der Gebärmutterhalskrebs verhindern lässt. Außerdem kann der Zellabstrich (PAP-Test), den Frauen jährlich machen lassen sollten, mit einem neuen DNA-Test kombiniert werden. Das verbessert die Früherkennung eines Tumors am Gebärmutterhals.
Der Krebs des Gebärmutterhalses (Zervixkarzinom) wird von humanen Papillomaviren (HPV) ausgelöst, die beim Sexualverkehr vom Mann auf die Frau übertragen werden. Es gibt rund 130 verschiedene HP-Viren, aber nur vier gelten als Hochrisikotypen, ganz besonders die beiden Typen 16 und 18. Der Mann erkrankt in aller Regel nicht, und auch bei der Mehrzahl der Frauen verschwinden die Viren, wenn nicht die Hochrisikotypen darunter sind, nach ein paar Monaten wieder von selbst. Aber eben nicht immer und nicht bei allen. In Europa sterben jährlich rund 30000 Frauen an einem Zervixkarzinom, 2000 sind es in Deutschland.
Mädchen sollten frühzeitig geimpft werden
Bei einem Symposium in Hannover, bei dem sich Experten aus dem In- und Ausland über neueste Erkenntnisse zum Gebärmutterhalskrebs informierten, teile Professor Dr. Lutz Glissmann vom Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg mit, dass zwei amerikanische Pharmafirmen voraussichtlich im nächsten beziehungsweise übernächsten Jahr einen Impfstoff gegen das HP-Virus auf den Markt bringen. Die Impfstoffe sind bereits in den USA an mehreren tausend Frauen getestet worden und befinden sich derzeit im Zulassungsverfahren der amerikanischen Gesundheitsbehörden. Ihre Einführung in Deutschland ist dann nur eine Frage der Zeit. Sinnvollerweise sollten Mädchen bereits vor dem ersten Sexualverkehr gegen das HP-Virus geimpft sein.
Der Impfstoff basiert auf einer
in den neunziger Jahren entwickelten Technik, in großen Mengen HPV-ähnliche Partikel herstellen zu können. Diese Viruspartikel sind nicht infektiös, lösen aber die Bildung großer Mengen von Antikörpern aus. "Infiziert sich nach der Impfung ein Mensch mit echten HPV-Viren, werden sie von diesen Anti-körpern neutralisiert, bevor sie sich in den Zellen einnisten können", sagte Glissmann. In ein paar Jahren, so ist zu vermuten, dürfte es neben dem vorbeugenden auch einen therapeutischen Impfstoff geben, der noch nach einer bereits erfolgten Infektion einsetzbar ist.
Die therapeutische Impfung könnte bei einer frühzeitig erkannten Infektion mit den Hochrisiko-HPV und damit vor der beginnenden Tumorbildung sehr wirkungsvoll sein. Diese günstige Ausgangsposition ließe sich durch den Einsatz einer Kombination des bereits seit langem bewährten Zellabstrichs mit einem neuen DNA-Test erreichen. Der amerikanische Onkologe Dr. Walter Kinney sagte in Hannover, dieser Kombitest habe in den USA zu überwältigenden Erfolgen geführt.
Verbesserte Vorsorge wird in Wolfsburg erprobt
Daran will das »Wolfsburger Modell« anknüpfen, bei dem das Klinikum Wolfsburg, die Betriebskrankenkassen und niedergelassene Ärzte in einer Versuchsreihe den Kombitest anbieten wollen. Dazu sagte Dr. Ulrich Petry vom Wolfsburger Klinikum: "Wenn es uns gelingt, die Frauen zur Vorsorge zu motivieren, könnte es auch gelingen, die Stadt Wolfsburg weltweit zu dem Ort mit der niedrigsten Rate an Gebärmutterhalskrebs zu machen." Im Übrigen beklagte Petry den Mangel an Informationen der deutschen Öffentlichkeit über HPV und bezeichnete gleichzeitig den Wissensstand deutscher Frauenärzte zu diesem Thema als sehr mangelhaft.
Max Conradt
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