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Epilepsie – ein Gewitter im Gehirn


Epileptische Anfälle können ihre Opfer unvermittelt wie ein Gewittersturm heimsuchen. Unkontrolliert entladen sich dabei ganze Kollektive von Nervenzellen zur gleichen Zeit. Normalerweise darf im Gehirn keine Nervenzelle einfach tun was ihr beliebt. Das würde zu einem heillosen Chaos führen. Bei gesunden Menschen kontrollieren sich Nervenzellen untereinander. Nicht so während eines epileptischen Anfalls, bei dem die Kontrolle zum Teil verloren geht. Dadurch werden entweder in einzelnen Bereichen und im ganzen Gehirn Nervenzellen gleichzeitig aktiv.

Nervenzellen nehmen keinen Schaden

Darunter befinden sich auch solche, die Muskelbewegungen kontrollieren, was die bei vielen Epilepsieformen auftretenden Muskelkrämpfe erklärt. Nach einigen Sekunden bis Minuten ist der Spuk vorbei – bis in wenigen Stunden, Tagen oder in einigen Jahren erneut ein Anfall auftritt. Nervenzellen sterben bei den Anfällen nicht ab.

Begrenzte Anfälle sind die Regel

Sehr auffällig verläuft der so genannte Grand mal ("großes Übel"). Ein solch heftiger epileptischer Anfall beginnt meist ohne vorhergehende Ankündigung. Bleibt er auf einzelne Hirnregionen begrenzt, kann es Vorgefühle wie Unwohlsein, Unruhe, Schwäche und Verstimmung sowie Kopfschmerzen geben. Es können Halluzinationen, Zuckungen und Kribbeln als Vorboten eines unmittelbar bevorstehenden, mit Bewusstlosigkeit verbundenen Krampfanfalls folgen. Dieser kommt oft so plötzlich und so stark, dass die Betroffenen stürzen und sich dabei erheblich verletzen.

Lebensgefährliches Koma droht

Oft kommt es auch zu einem Biss auf die Zunge, der aber selten gefährlich ist. Nach wenigen Minuten enden die Krämpfen von selbst. Die Betroffenen fallen in einen festen Schlaf mit tiefer Atmung, Blässe und Pupillenverengung. Nur sehr langsam und sehr benommen, mit Muskelkater und Kopfschmerzen erwachen sie wieder. Besonders gefürchtet ist der glücklicherweise seltene Status epilepticus, bei dem Anfälle sehr schnell hintereinander folgen oder lange andauern und in ein Koma führen, das lebensbedrohlich werden kann.

Sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe

Die meisten epileptischen Anfälle verlaufen jedoch nicht so drastisch. So gibt es Attacken, bei denen sich nur kurzzeitig das Bewusstsein eintrübt, was Mediziner als Absence bezeichnen. Nach etwa fünf bis zehn Sekunden sind die Betroffenen wieder völlig klar. Krämpfe wiederum können auf einzelne Körperteile begrenzt bleiben und auch ohne Bewusstseinsverlust auftreten. Entsprechend der großen Vielfalt an Epilepsieformen stellen sich auch die Zukunftsaussichten sehr unterschiedlich dar: Manchmal bleibt es bei einem oder wenigen Anfällen, sie können aber auch lebenslang auftreten.

Schwierige Diagnose

Weil es so viele Formen von Epilepsie gibt und die Symptome nicht immer eindeutig ausfallen, können oft nur erfahrene Ärzte in spezialisierten Praxen oder Epilpsie-Zentren die Diagnose endgültig stellen. Dazu analysieren sie unter anderem Hirnströme, also vom Gehirn ausgehende, schwache elektrische Felder, die man durch auf die Kopfhaut aufgesetzte Metallelektroden schmerzfrei messen kann. Zahlreiche andere Untersuchungen kommen noch hinzu.

Antikonvulsiva – Arzneimittel, die die Anfälle stoppen

Geht der Arzt von einem epileptischen Anfall aus, versucht er zunächst, eindeutige Ursachen dafür zu finden. Dies können Hirntumore, Hirnverletzungen, Entzündungen im Gehirn oder auch bestimmte Medikamente sein. In solchen Fällen löst sich das Problem oft schon, wenn man die Ursache beseitigt. Gelingt dies nicht oder findet sich kein eindeutiger Auslöser, kann man immerhin die Symptome behandeln. Dazu dienen als Antikonvulsiva bezeichnete Arzneistoffe.

Beeinflussung der Botenstoffe des Gehirns

Über die genaue Wirkungsweise dieser Arzneimittel weiß man bisher nur wenig: Einige von ihnen bremsen die Aktivität von Nervenzellen über den hemmenden Hirnbotenstoff GABA oder sie blockieren Botenstoffe, die Nervenzellen aktiv werden lassen. Wann welcher Arzneistoff in welcher Dosis sinnvoll ist, muss ein erfahrener Arzt festlegen. Informationen über Arzneimittel zur Linderung oder Vermeidung epileptischer Anfälle bietet auch jeder Apotheker.

Operation, wenn Arzneimittel nicht helfen

Etwa 20 Prozent aller Menschen mit Epilepsie können allein durch Medikamente nicht völlig von ihren Anfällen befreit werden. Ihnen hilft bei Bedarf eine Operation, vorausgesetzt, die Erregungsherde sind im Gehirn so klar begrenzt, dass man sie durch einen gezielten Eingriff beseitigen kann.



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