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Erster Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs

Ein paar Pikser und es besteht ein guter Schutz vor Krankheiten wie Masern, Röteln oder Wundstarrkrampf. Doch die Forschung steht nicht still. Im Juni dieses Jahres wurde in den USA erstmals eine Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs zugelassen.

"Der Gebärmutterhalskrebs ist nach den bösartige Tumoren der Brust, des Darms und der Gebärmutter der vierthäufigste Tumor der Frau", berichtet die Ärztekammer Baden-Württemberg.Pro Jahr diagnostizieren Ärzte europaweit bei etwa 33 500 Frauen diese Krebsart. Rund 15 000 Patientinnen sterben jährlich an dieser Krankheit. "Bis vor zehn Jahren war die Ursache für den Krebs am Gebärmutterhals unbekannt", berichtet Professor Dr. Gerd Gross. "Mittlerweile wissen wir aber, dass die Erkrankung durch Viren ausgelöst wird", so der Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Rostock. Eine bestimmte Art so genannter humaner Papillomaviren ließ sich bei nahezu einhundert Prozent der Krebserkrankungen nach eisen.

Nonnen erkranken so gut wie nie

"Diese Erreger dringen in die Zellen der Schleimhaut des Gebärmutterhalses ein und wandeln die Zellen in Krebszellen um", erklärt die Ärztekammer
Baden-Württemberg. Die Papillomaviren leben unter anderem im Sekret unter der männlichen Vorhaut. "Darum hat Gebärmutterhalskrebs viel mit sexuellen Kontakten zu tun, aber auch mit Hygiene und daher sogar mit Beschneidung: In Ländern, in denen viele Männer beschnitten sind, tritt Gebärmutterhalskrebs relativ selten auf. Rar ist er auch bei Frauen, die nie Geschlechtsverkehr haben,wie zum Beispiel Nonnen." Ein Großteil der sexuell aktiven Frauen infiziert sich mindestens einmal im Leben mit Papillomaviren. Der überwiegende Teil der Infektionen heilt ohne Beschwerden oder bösartige Folgen wieder aus. Zudem gelten die meisten dieser Virenvertreter als harmlos, nur ein geringer Teil steht im Verdacht, bösartige Tumoren zu begünstigen. Für den Gebärmutterhalskrebs sind es die Virustypen HPV 16 und HPV 18. Die Abkürzung HPV steht für humane Papillomaviren. Als Risikopatientinnen gelten Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, die ein familiäre Krebsbelastung besitzen, viel rauchen oder sich ungesund beziehungsweise vitaminarm ernähren.

Eine gesunde Lebensweise, aber auch das Benutzen von Kondomen senken das Risiko. Der Gebärmutterhalskrebs eignet sich sehr gut für die Früherkennung. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung nimmt der Frauenarzt vom Muttermund und vom Gebärmutterhals Abstriche, die er mikroskopisch auf verdächtige Zellen untersucht. Gynäkologen empfehlen,diese Untersuchung einmal jährlich vornehmen zu lassen. Jede Frau über 20 kann sie in Anspruch nehmen.Die Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten. Diese Untersuchung kann nicht nur den Krebs selbst, sondern auch seine Vorstaden aufdecken.

Vorsorgeuntersuchung nutzen

Der Gebärmutterhalskrebs gehört zu den Krebsarten, die eine sehr hohe Chance auf Heilung besitzen, wenn der Arzt ihn frühzeitig entdeckt. Findet er verdächtige Zellen, kann er mit einem kleinen operativen Eingriff, der so genannten Konisation, das verdächtige Gewebe am Gebärmuttermund entfernen. Dabei schneidet er ein kleines kegelförmiges Stückchen aus dem Gebärmutterhals heraus. Wenn sich bei der anschließenden Gewebeuntersuchung herausstellt, dass der Arzt alle verdächtigen Zellen entfernt hat, gilt die Behandlung als abgeschlossen. Als neueste Möglichkeit setzen Mediziner darauf, dem Gebärmutterhalskrebs mit einer Impfung vorzubeugen. Die Erkenntnis, dass Viren diese Krankheit auslösen, brachte Wissenschaftler schnell auf die Idee,diesen Weg auszuprobieren. Die klassische Methode mit inaktivierten Viren als Impfstoff schied allerdings aus, da sich der Erreger im Labor nicht anzüchten ließ. Daher kam nur ein mit gentechnischen Verfahren hergestellter Impfstoff in Frage.

Drei Spritzen gegen Viren

"Das Medikament dürfte spätestens Anfang 2007 in Deutschland auf den Markt kommen", glaubt Gross. Es wurde an insgesamt 25 000 Personen getestet.Die Frauen erhalten insgesamt drei Spritzen. Ob sie eine Auffrischungsimpfung benötigen,steht zurzeit noch nicht fest. Der Impfstoff wirkt gegen die beiden wichtigen krebserregenden Typen HPV 16 und HPV 18. Außerdem schützt er gegen die Genitalwarzen auslösenden Vertreter HPV 6 und HPV 11. "Künftig wird es darum gehen müssen, die Eltern und Mädchen und junge Frauen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen", sagt Gross. "Es ist eine Sensation, dass es einen Impfstoff gegen Krebs gibt. Jetzt wollen wir dafür sorgen, dass das Medikament schnell bei den Menschen ankommt." Vielleicht auch beim vermeintlich starken Geschlecht,das als Überträger der Papillomaviren in Frage kommt. "Möglicherweise werden später neben Mädchen auch Jungen in die Impfung eingeschlossen",blickt Gross in die Zukunft.

Peter Erik Felzer



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