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Nitroglycerin
Auf der Suche nach neuen Sprengstoffe nahm der italienische Chemiker Sobrero vor etwa 150 Jahren ein wenig Glycerin und gab ein Gemisch aus Schwefel- und Salpetersäure hinzu. Er war erfolgreich, denn der Stoff Glyceroltrinitrat besser bekannt als "Nitroglycerin" , den er auf diese Weise herstellte, ist ein Sprengstoff.
Wie damals noch üblich kostete Sobrero eine winzige Menge seines Produkts und bekam rasende Kopfschmerzen. Ein amerikanischer Arzt untersuchte diese Wirkung genauer.
Hilfe bei Angina pectoris
Er entdeckte, dass der Sprengstoff die Blutgefäße des Körpers erweitert daher Sobreros Kopfschmerzen und setzte Nitroglycerin schon damals zur Behandlung von Angina pectoris, der "Brustenge", ein. Bei einer Angina pectoris braucht das Herz mehr Sauerstoff als zur Verfügung steht. Ursachen sind beispielsweise verengte Herzkranzgefäße, Herzrhythmus-Störungen oder ein erhöhter Sauerstoffbedarf durch bestimmte Erkrankungen.
Stickstoffmonoxid als Wirkstoff
Erst in den Jahren 1980 bis 1990 entdeckte man, dass nicht Nitroglycerin die Herzkranzgefäße erweitert. Es ist die Substanz Stickstoffmonoxid (NO), die im Körper aus Nitroglycerin gebildet wird. Zusätzlich verhindert sie, dass sich die Herzkranzgefäße verkrampfen.
"Nitrate"
Weil sich auch die großen Blutgefäße im Körper durch NO dehnen, sinkt der Blutdruck, und das Herz muss weniger Kraft aufwenden, um Blut in den Körper zu pumpen. Alles zusammen bewirkt einen geringeren Sauerstoffverbrauch des Herzens, ein Mangel tritt seltener auf. In gleicher Weise wirken die Arzneistoffe Isosorbiddinitrat, Isosorbidmononitrat sowie Pentaerythrityltetranitrat. Zusammen mit Glyceroltrinitrat nennt man sie allgemein "Nitrate".
Pausen einlegen
Glyceroltrinitrat wird als Zerbeißkapsel, Spray, Tropfen, Pflaster, Gel oder Salbe sowie als Injektionslösung eingesetzt. Wird es im Mund oder Rachen verteilt, tritt die Wirkung schon nach Sekunden ein, hält aber auch nur 10 bis 30 Minuten an.
Da sich der Körper auf Dauer an Nitrate gewöhnt und sie dann ihre Wirkung einbüßen ("Nitrat-Toleranz"), sollte man zum Beispiel darauf achten, dass Pflaster nicht ununterbrochen aufgeklebt bleiben. Es müssen also Nitrat-Pausen eingelegt werden.
In Schwangerschaft und Stillzeit muss der Arzt entscheiden, ob der Arzneistoff eingenommen werden darf.
Studienergebnisse zum Thema
Der Wirkstoff Nitroglycerin verhindert im Vergleich zum herkömmlichen wehenhemmenden Tropf wirksamer drohende Frühgeburten. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Universität Jena in Zusammenarbeit mit der Frauenklinik Gera im Rahmen einer klinischen Studie. Per Pflaster verabreichten die Wissenschaftler die Substanz Schwangeren, bei denen die Gefahr einer Frühgeburt bestand. 86 Prozent der mit Nitroglycerin behandelten Frauen brachten ihr Baby zum normalen Termin auf die Welt. Dagegen konnten mit den herkömmlichen Medikamenten nur 27 Prozent der Frühgeburten verhindert werden. Trotz der viel versprechenden Ergebnisse muss Nitroglycerin erst noch in weiteren Untersuchungen getestet werden, bevor es in der Praxis als Medikament zur Wehenhemmung zum Einsatz kommt, erklärten die Experten.
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