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Tinnitus (Ohrgeräusche)


Ständig klingelt es im Ohr, pfeift ein Ton im Kopf, säuselt es wie Stromleitungen im Sturm, oder es donnert, als würde eine Dampflok vorbeifahren. So beschreiben Betroffene ihr Leiden. Umstehende Menschen können diese Geräusche nicht hören. Den beschriebenen Lärm gibt es nicht wirklich. Medizinisch ausgedrückt: Es handelt sich um die subjektive Wahrnehmung eines Tones oder Geräusches ohne akustische Stimulation von außen. Etwa fünf bis sieben Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen. Angefangen von Schulkindern über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen mittleren Alters. Oft gehen Depressionen voran, Schwerhörige fühlen den Tinnitus besonders laut.

Ursachen

Bei etwa einem Viertel der Patienten entstehen die Geräusche im Innenohr, zum Beispiel wenn die feinen Haarzellen im Innenohr nicht ausreichend durchblutet werden. Stress sowie ein Knall- oder Lärmtrauma sind die häufigsten Ursachen. Ausgelöst werden kann der Tinnitus auch durch Infektionen, Durchblutungsstörungen im Gehirn oder durch einen Hörsturz.

Vorsicht, wenn Sie viel um die Ohren haben!

Stress setzt im Körper die Stresshormone Adrenalin und Kortison frei. Die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt. Damit rüstet sich der Körper zur Flucht. Ein Relikt aus uralten Zeiten, als man der Gefahr weglaufen konnte und musste. Heute reagiert der Körper zwar noch in dieser alten Weise, aber das Weglaufen vor dem Chef oder familiären Problemen ist ungleich schwerer geworden. Und so verbraucht der Körper die Stresshormone und die aufgebaute Spannung nicht. Das überschüssige Kortison richtet dann Schaden an. Blutplättchen verklumpen und verstopfen kleine und ohnehin verengte Blutgefäße, beispielsweise die zum Innenohr. Es kommt zum Hörsturz mit nachfolgendem Tinnitus oder direkt zum Tinnitus.

Was tun?

Beim ersten Auftreten von Beschwerden wie einem dumpfen Ohrgefühl oder Ohrgeräuschen, die über mehrere Stunden anhalten, sollten Sie sofort zum Hals-Nasen-Ohrenarzt gehen. Denn der Tinnitus braucht so lange zum Verschwinden, wie er da war. Wer also gleich den Arzt aufsucht, hat berechtigte Hoffnung, dass die Geräusche bald wieder verstummen. Nicht zuletzt deshalb, weil in diesem Stadium mit Infusionen und pflanzlichen Präparaten aus Ginkgo-Extrakten therapiert werden kann.

Tipps vom Experten

"Tinnitus findet im Gehirn und nicht im Ohr statt", sagt auch der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. med. Hans-Dieter Mursch. Er begleitet ärztlich die Tinnitus-Selbsthilfegruppe in Frankfurt am Main und war überdies vor einigen Jahren selbst von der Krankheit betroffen – vorübergehend. "Hören Sie mal nach draußen", empfiehlt Mursch, um das komplizierte menschliche Hören klar zu machen. "Haben die Vögel schon die ganze Zeit gesungen?" Darauf hat der Angesprochene meist keine Antwort, weil er sich auf die Worte des Arztes konzentriert hat. Denn das war im Moment das Wichtigste.

"Nutzschall" und "Störschall"

Töne entstehen eigentlich erst im Gehirn. Das Ohr ist der Trichter, der die Geräusche einfängt, sie in Signale umwandelt und an das Gehirn schickt. Und das Gehirn entscheidet über die Weiterleitung ins Hörzentrum. Intelligent, wie das Gehirn von Natur aus ist, unterscheidet es zwischen "Nutzschall" und "Störschall", also zwischen dem, was der Mensch gerade dringend an Informationen benötigt, und dem, was überflüssig ist.

Quietschen von Autobremsen wichtiger als Vogelstimmen

Also verleiht es dem Quietschen von Autobremsen besonderes Gewicht, denn dieses Geräusch signalisiert Gefahr. Da müssen die Vogelstimmen auf ruhigere Zeiten warten. Diese Einsicht ist bei Tinnitus schon die halbe Therapie. Ob die Geräusche schlimmer werden, hat der Betroffene auch selbst in der Hand. Dr. Mursch spricht von der Aufmerksamkeitslenkung. "Sie müssen hinhören, nach außen hören, ruhig auch den Flugzeugen und den Menschen zuhören, aber Sie dürfen nicht in der Stille in sich hineinhören. Fixieren Sie nicht den Ton im Ohr", rät er dringend vor allem denjenigen, die erst kurzzeitig von Ohrgeräuschen geplagt werden.

Ablenkung als Therapie

"Machen Sie sich den Kopf voll mit anderen Dingen", gibt er als Therapieanweisung. "Beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Sie glücklich machen. Verstärken Sie die schönen Dinge im Leben und nehmen Sie sich vor, die unangenehmen Stück für Stück zu reduzieren. Darüber hinaus sollten Tinnitus-Patienten Entspannungstechniken lernen: die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Autogenes Training.

Die Tinnitus-Retraining-Therapie

Bei der Tinnitus-Retraining-Therapie wird durch einen so genannten Noiser, eine Art Hörgerät, ein leiseres Geräusch ausgesendet, als der Tinnitus verursacht. Mit der Konzentration auf das leisere Geräusch trainiert der Betroffene sich das Fixieren des lauten Geräusches ab. Ende der achtziger Jahre entwickelte ein amerikanischer Neurophysiologe das Modell, das in jüngerer Zeit auch in deutsche HNO-Praxen Einzug gehalten hat und Erfolgsraten von über 80 Prozent erzielt.

Hier gibt es zusätzliche Hilfe:

Deutsche Tinnitus-Liga e.V.
Bundeszentrale
Postfach 210351
42353 Wuppertal
Tel.: 0202 24652-0
Fax: 0202 24652-20



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