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31.07.2010, 4:23


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Die Harmonie der Hormone fördern


Hormone geben Informationen im Körper weiter. Absender ist eine Drüse, Empfänger ein Organ, ein Gewebe oder eine Zelle. Es dauert einige Zeit, bis die Botschaft in Form eines speziellen Hormons ankommt. Dann beginnen Zielzellen oder Zielorgane zu handeln – vom Grundsatz her zum Wohle des Menschen.

Wie häufig und in welchen Mengen eine Drüse ihr Hormon auf die Reise durch die Blutbahn des Körpers schickt, hängt von dessen Aufgabe ab. Das Stresshormon Adrenalin und das Zuckerhormon Insulin werden zum Beispiel dann freigesetzt, wenn es der Stoffwechsel verlangt – so etwa Adrenalin in Stress-Situationen und Insulin bei viel Nahrungszucker im Blut. Schilddrüsenhormone und Kortison gelangen kontinuierlich ins Blut, wobei sich die Kortisondosis bei extremen Anforderungen nochmals erhöht. Anders weibliche Sexualhormone: Ihr rhythmisches Auf und Ab zieht sich in immer gleichem Muster über einen ganzen Monat.

Feste und hierarchisch abgestimmte Regeln sorgen dafür, dass alle Hormone immer zum richtigen Zeitpunkt und in der optimalen Dosis freigesetzt werden. Der Chef der "Hormonproduktionsanlage" sitzt im Gehirn und trägt den Namen Hypothalamus. Seine rechte Hand, sein Sekretär, hört auf den Namen Hypophyse. Zwischen beiden Zentren transportieren spezielle Hormone Nachrichten. Ebenso zwischen der Hypophyse und dem Zielorgan. Letzteres ist ebenfalls nicht zum »Schweigen« verdammt, sondern gibt Rückmeldung an den Hypothalamus, wenn es zu viel oder zu wenig Hormon abbekommt. Über dauernde Kontrollen der Hormonkonzentrationen und über das »Gespräch« zwischen den verschiedenen Zentren erfolgt die Feinabstimmung der Hormone im gesamten Stoffwechsel.

Diese Prozesse scheinen zentralgesteuert, dem Bewusstsein des Menschen und damit einer Beeinflussung entzogen.

Doch die folgenden Beispiele zeigen, dass Einfluss in gewissem Maße möglich ist.

Schilddrüse für Lebensenergie

Wie ein Schmetterling schmiegt sich die Schilddrüse unter Haut- und Muskelgewebe an den Hals. Das kleine Organ stellt zwei lebenswichtige Hormone her: Trijodthyronin und Thyroxin (T3 und T4). Permanent gibt es beide Substanzen in die Blutbahn ab, mit dem Rhythmus des Herzens gelangen sie an jede Zelle des Körpers. Was sie dort anrichten, entscheidet wesentlich über körperliches Wohlbefinden und seelisches Gleichgewicht. Vor allem T3 bringt den Stoffwechsel in den Zellen auf Touren. Der Organismus verbraucht ein Optimum an Energie, Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße werden bedarfsgerecht verbrannt. Gerät die Konzentration der Schilddrüsenhormone aus dem Gleichgewicht, versinkt der Stoffwechsel ins Chaos: starke Blutdruckschwankungen, hohe Blutzuckerwerte, Herzrasen oder ein zu langsamer Herzschlag, Nervosität, Gewichtszu- oder -abnahme sind nur einige der Symptome, die auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen können.

Tipp: Um T3 und T4 in ausreichender Menge herstellen zu können, braucht die Schilddrüse Jod, das der Mensch über die Nahrung aufnehmen muss. Dazu eignen sich besonders Schellfisch (240 Mikrogramm Jod in 100 Gramm), Seelachs (200 Mikrogramm in 100 Gramm), Scholle (190 Mikrogramm in 100 Gramm), Kabeljau (120 Mikrogramm in 100 Gramm) sowie Hering und Thunfisch mit je etwa 50 Mikrogramm Jod in 100 Gramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt als tägliche Jodzufuhr für:
  • Säuglinge 40 bis 80 Mikrogramm,
  • Kleinkinder 100 bis 120 Mikrogramm,
  • Schulkinder 140 bis 200 Mikrogramm,
  • Jugendliche 200 Mikrogramm,
  • Erwachsene bis 51 Jahre 200 Mikrogramm,
  • Erwachsene über 51 Jahre 180 Mikrogramm,
  • Schwangere 230 Mikrogramm,
  • Stillende Mütter 260 Mikrogramm.


Fettzellen im Gespräch

Neben der Schilddrüse spielen für das individuelle Wohlfühlgewicht sowie für die Arbeit des Stoffwechsels Hormone eine Rolle, die von Fettzellen produziert werden. Körperfett, lange als "tote Masse" eingestuft, führt ein Eigenleben, wie Forscher heute wissen. Und ist darauf bedacht, sich selbst zu erhalten oder, besser noch, sich zu vermehren. Zum Leidwesen von Menschen, die sich mit Übergewicht plagen. Und mit dessen Folgen kämpfen, also etwa mit Diabetes oder mit hohem Blutdruck. Denn zu viele Pfunde hemmen den in Fettzellen hergestellten Eiweißstoff Adiponektin. Den aber braucht der Körper dafür, dass Leber-, Muskel- und auch Fettzellen mit Hilfe von Insulin große Mengen des Energielieferanten Glukose aufnehmen können. Fällt die Adiponektin-Wirkung aus, reagieren die Zellen unempfindlich auf Insulin und der Zucker bleibt im Blut statt in die Zellen zu schwimmen – ein wesentlicher Schritt zu einem Typ-2-Diabetes. Man spricht dann von einer Insulinresistenz. Und noch ein positiver Effekt von Adiponektin geht mit steigendem Gewicht verloren: ein Schutz vor Arteriosklerose. Mit einem weiteren Hor-mon baut das einmal vorhandene Körperfett seine Vormachtsstellung aus: Interleukin 6 lässt das Gewicht weiter steigen.

Tipp: Weil Körperfett vehement für seine eigene Vermehrung sorgt und zum Beispiel das Sättigungsgefühl hemmt, werden Dicke sehr leicht noch dicker. Daher lohnen Übungen, die das Sättigungsgefühl fördern doppelt. Also: Viel Gemüse und Obst essen, langsam kauen, viel trinken und beim ersten Gefühl von Sattsein aufhören zu essen. Zwischen den drei Hauptmahlzeiten ruhig mal »Hunger schieben« – das baut Fett ab, und der Hunger geht wieder weg.

Glückshormone und ihre Gegenspieler

Vor einigen Jahren boomte in den USA ein Präparat mit dem Inhaltsstoff Fluoxetin. Glücklich sollte die Substanz machen, von Sorgen befreien, dem Alltag wieder Leichtigkeit geben. Heute existieren verschiedene Arzneimittel mit demselben Angriffspunkt im Körper wie Fluoxetin: Sie verstärken die Wirkung von Serotonin. Allerdings weiß man mittlerweile, dass diese so genannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer nicht wahllos zum Einsatz kommen dürfen und dass sie nicht gesunde Menschen noch froher machen, sondern Menschen mit Depressionen helfen, aus einem Seelentief herauszufinden. Serotonin dient unter anderem den Nerven als Botenstoff, das heißt, es übermittelt Informationen von einem Nerven zum nächsten. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer erhöhen die Zahl der Serotoninteilchen, was eine bessere Kommunikation der Nerven untereinander bewirkt. Und das tut der Stimmung gut.

Der Körper stellt Serotonin aus der essenziellen Aminosäure Tryptophan her. "Essenziell", weil der Organismus des Menschen vollständig auf die Zufuhr dieses Eiweißstoffes aus der Nahrung angewiesen ist.

Tipp: Ohne Tryptophan aus dem Essen kein Serotonin für die Nerven, so die Gleichung. Und eben an dieser Stelle kann jeder Mensch ein wenig dazu beitragen, die Serotonin-Konzentration im eigenen Körper zu erhöhen: indem er isst, was Tryptophan enthält. Dazu zählen:
Fisch, Milch, Käse, mageres Fleisch, Geflügel und Quark.

Das Schmusehormon Oxytocin

Das Hormon Oxytocin wird von Männern und Frauen gebildet. Es hilft Frauen bei der Geburt, indem es die Gebärmutter anregt, sich zusammenzuziehen, und es sorgt für den Milcheinschuss in die Brust der Mutter nach der Geburt des Kindes. Darüber hinaus scheint sich das Hormon wesentlich an der Ausprägung von Muttergefühlen zu beteiligen. Und auch für Liebespaare spielt es eine wichtige Rolle: Es stärkt vor allem über Körperkontakt das Gefühl gegenseitiger Verbundenheit.

Tipp: Um Oxytocin hervorzulocken, braucht es körperliche Streicheleinheiten und möglichst wenig Stress. Denn das bei Stress vermehrt ausgeschüttete Adrenalin macht die positiven Oxytocinwirkungen wieder zunichte.

Natürlich gedopt mit Dopamin

Das Gehirn weiß, wie es einem Menschen unangenehme Aufgaben schmackhaft macht. Es verfügt dazu über ein so genanntes Belohnungssystem, das wesentlich mit Hilfe des Botenstoffes Dopamin funktioniert. Belohnt wird auf diese Weise zum Beispiel, wer sich durch Lernstoff gekämpft und ihn verstanden hat. Dopamin scheint dabei die Ausschüttung von körpereigenen Opioiden zu stimulieren.

Tipp: Der Dopamin-Effekt lässt sich schon durch Kleinigkeiten fördern, wie etwa durch ein freundliches Wort oder ein nettes Lächeln.

Lifestylehormone

Eine regelrechte Karriere haben in den vergangenen Jahren Hormone gemacht, die das Altern stoppen oder, besser noch, rückgängig machen sollen. Zu ihnen zählen neben den Sexualhormonen Östrogen und Testosteron das so genannte DHEA (Dihydroepiandrosteron) sowie das Wachstumshormon Somatotropin.

Nicht wenige, die sich vom dauerhaften Schlucken dieser Hormone ewige Jugend versprechen – und dafür jede Menge zahlen. Womöglich auch den Preis für ihre eigene Gesundheit, denn bislang weisen Studien nicht auf die erhoffte Wendung vom Alter zur Jugend hin, sondern vielmehr auf eine potenzielle Krebsgefahr. Deshalb gibt es entsprechende Präparate in Deutschland auch nicht zu kaufen. Ärzte verordnen sie nur bei genau definierten Erkrankungen. So zum Beispiel das Wachstumshormon Somatotropin bei Minderwuchs oder Östrogene nach genauer Risikoabwägung bei Frauen mit stark ausgeprägten Wechseljahrsbeschwerden (siehe auch Kasten »Hormongaben in den Wechseljahren«).

Tipp: Von Hormonangeboten im Internet sollte man auf jeden Fall die Finger lassen - auch dann, wenn Wirkungen und Nebenwirkungen seriös dargestellt scheinen.

Die Stresshormone

Adrenalin und Kortison gelten als typische Stresshormone – und haben damit ein negatives Image. Zu Unrecht, denn der Körper braucht diese Hormone, um den Organismus auf alle Anforderungen und Widrigkeiten einzustellen, die von außen auf ihn einwirken können. Beispiel: Sie setzen Milch auf, gehen aus der Küche, vergessen den Herd und nehmen plötz-lich Brandgeruch wahr. Es ist unter anderem Adrenalin, das Sie erschrocken zum Herd springen und entschlossen und schnell handeln lässt. Es aktiviert, macht wach und treibt mehr Sauerstoff in die Lungen. Nur bei lang anhaltendem und belastendem Stress wirken Adrenalin und Kortison negativ. Und unterbinden viele der guten Wirkungen der vorab beschriebenen Hormone.

Tipp: Ein bisschen Aufregung hält jung und fördert nach neuesten Erkenntnissen die Zusammengehörigkeit zwischen Lebenspartnern. Brechen Sie ab und an aus dem Alltag aus, entdecken Sie Neues; versuchen Sie immer wieder, allzu großer Routine die Stirn zu bieten. Auf diese Weise zeigen sich Stresshormone von ihrer besten Seite.



Lese-Tipp

Buch Diabetes
Diabetes heute

Gründlich überarbeitet und auf dem neuesten Stand der Wissenschaften: der Ratgeber "Diabetes heute – mehr Freiheit und Sicherheit". Er informiert Diabetiker unter anderem über neuere und schonende Medikamente sowie wann und wie man auf das Hormon Insulin umstellt.Den Ratgeber gibt es in vielen Apotheken.


Apothekerin
Jutta Petersen-Lehmann
Diabetes heute – mehr Freiheit und Sicherheit,
GOVI-Verlag,
96 Seiten, 9,90 €, (D),
PZN 0090629,
ISBN 3-7741-0980-X.


Schilddrüse schützen und behandeln

Einen Schilddrüsentest zum Selbermachen, viele Informationen über die einzelnen Schilddrüsenkrankheiten und wie man sie merkt sowie ausführliche Aufklärung über die möglichen Behandlungen – das alles bietet dieser völlig neu bearbeitete Ratgeber. Mit farbigen Abbildungen und einem kleinen Fachwörterlexikon zur Vorbereitung auf das Arztgespräch.

Apothekerin
Dr. rer. nat. Christiane Eckert-Lill
Schilddrüse schützen
und behandeln,
Govi-Verlag,
96 S., 9,90 €, (D),
PZN: 199 82 42,
ISBN: 3-7741-0910-9.



Hormongaben in den Wechseljahren


Hormone oder davon leicht abgewandelte Substanzen kommen in der Medizin häufig zum Einsatz: so zum Beispiel gegen Osteoporose, gegen bestimmte Formen von Brustkrebs oder gegen Erkrankungen der Schilddrüse. Bis zu den Ergebnissen einer in den USA durchgeführten Studie zur Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren lag die Gabe von Östrogenen und/oder Gestagenen an Frauen in und nach den Wechseljahren voll im Trend. Erschien es doch allzu logisch, dass sich durch den Ersatz weiblicher Geschlechtshormone Wechseljahrsbeschwerden und -risiken klein halten lassen können. Mit der Einnahme von Östrogenen und Gestagenen müsse das nach den Wechseljahren ansteigende Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sinken, ganz abgesehen von der durch Östrogene verringerten Gefahr, Knochenbrüche infolge einer Osteoporose zu erleiden.

Annahmen, die sich in einer groß angelegten Studie der Women's Health Initiative (WHI) nur teilweise bestätigten. Im Gegenteil ergab sich sogar unter der Hormonersatztherapie ein höheres Risiko für bestimmte Erkrankungen, darunter für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Grund genug, die Studie vorzeitig abzubrechen und die Empfehlungen für die Gabe von Hormonen in den Wechseljahren deutlich einzuschränken.

Heute ist der Einsatz nur noch bei genau definierten Indikationen gerechtfertigt. Der Arzt muss die Patientin über Nutzen und mögliche Risiken umfassend aufklären, und die letzte Entscheidung für oder gegen eine Einnahme liegt bei der Patientin. Die Nutzen-Risiko-Abwägung soll einmal pro Jahr überprüft werden.


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