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31.07.2010, 4:37


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Das Immunsystem – Allergien vorbeugen und behandeln


Allergischer Schnupfen, allergische Bindehautentzündung und Neurodermitis grassieren in Deutschland. Bereits jeden Zehnten trifft es. Auf der Suche nach den Ursachen müssen sich Wissenschaftler noch mit Theorien begnügen.

Hygiene schuld an Allergien?

Womöglich ist die Zahl potenzieller Allergieauslöser (medizinisch Allergene) gestiegen, denen ein Mensch heute in Deutschland ausgesetzt ist. So etwa durch intensive Haustierhaltung, durch immer neue Substanzen in Wohn- und Bauutensilien, in Lebensmitteln und Kleidung. Daneben wird vermutete, dass durch eine übertriebene Hygiene und eine dadurch verringerte Zahl an Atemwegsinfekten im Säuglings- und Kleinkindalter mehr Allergien entstehen. Es gibt die Hypothese, dass durch eine geringere Zahl an Atemwegsinfekten das Immunsystem nur ein schwaches Training bekommt und dadurch mehr zu Allergien neigt.

So entsteht eine Allergie

ÿ Bei einer Allergie etwa auf Pollen (Allergene)wehrt sich das Immunsystem gegen Eindringlinge, die eigentlich in das normale Repertoire der belebten Umwelt gehören und nicht zu den Krankheitserregern zählen. Bestimmte Lymphozyten, so genannte B-Zellen, produzieren bei Kontakt mit einem Allergen in großen Mengen Immunglobuline vom Typ E (IgE-Antikörper).
- Diese setzen sich auf Mastzellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Die IgE-Antikörper binden jeweils zu zweit ein Allergen an sich, um diesen vermeintlichen Feind unschädlich zu machen.
- Beim Erstkontakt mit dem Allergen läuft diese Reaktion nur in schwachen Ausmaß ab. Man spricht von einer Sensibilisierung des Menschen auf dieses spezielle Allergen.
- Erst beim zweiten Kontakt bekommt der Mensch zu spüren, dass etwas im Körper schief läuft: Die Mastzellen kehren ihr Innerstes nach außen und setzen unter anderem das Gewebshormon Histamin frei.
- Histamin lässt Gewebe anschwellen, verursacht, dass Nasen laufen, sich Augen röten und tränen. Mit ihm agieren noch weitere Stoffe beim Ausbruch der allergischen Entzündung.
- Beschränkt sich die allergische Reaktion nicht auf Nase, Atemwege oder Augen, sondern breitet sich im ganzen Körper aus, kann der Betroffene einen so genannten anaphylaktischen Schock erleiden. Kennzeichen sind ein massiver Blutdruckabfall, schwere Atemnot und Schwellungen im Bereich des Kehlkopfes.

Impfungen beugen Allergien vor

Impfungen helfen, Allergien vorzubeugen, betonen Experten. Die Impfungen verhindern zwar nicht die viralen Atemwegsinfekte – denn dagegen kann man nicht impfen –, aber sie sorgen dafür, dass sich das Immunsystem mit Keimen auseinandersetzen muss, die ihm ein hygienisches Umfeld womöglich gar nicht bieten kann.

Weniger Allergiker auf dem Land

Ebenso gibt es Hinweise, dass Kinder in ländlichen Gegenden, speziell auf Bauernhöfen, deutlich seltener an Allergien leiden als ihre Altersgenossen in Ballungszentren. Den Urlaub auf dem Bauernhof allein zum Zweck der Allergie-Prophylaxe kann man jedoch nicht empfehlen, denn noch weiß niemand, wie viel Zeit unter Tieren und im Stall der Vorbeugung dienen.

Risiko liegt in den Genen

Allergien vererben sich: Kinder von gesunden Eltern tragen ein Risiko von fünf Prozent für eine Allergiekarriere, Kinder, bei denen Vater oder Mutter darunter leiden, müssen zu 40 Prozent ebenfalls mit einer Allergie rechnen. Für solche, bei denen beide Eltern Allergiker sind, liegt das Risiko gar bei 70 Prozent.

Um Allergien vorzubeugen, sollten Sie:
  • Kinder ein halbes Jahr lang stillen und in dieser Zeit nichts zufüttern, besonders keine Nahrung, die Kuhmilch enthält,
  • nicht Rauchen, denn bei Kindern kann Passivrauchen Allergien fördern, und
  • eventuelle Nasennebenhöhlen-Entzündungen sofort und konsequent behandeln. Nicht selten bereiten sie einer Allergie den Weg und bringen oft auch den gefürchteten Etagenwechsel mit sich, das Wandern der Entzündung von den Nebenhöhlen in die Bronchien.

Um Allergien abzuschwächen, sollten Sie:

  • Keine Haustiere halten, wenn, dann nur Vögel. Diese wiederum sollte man nicht immer, sondern nur ab und zu frei fliegen lassen. Bei Felltieren sinkt das Allergierisiko in der Reihenfolge Katze, Pferd, Hamster, Maus, Ratte, Hund.
  • Wenn man Fische hält, sollte man darauf achten, dass auch Fischfutter Allergien hervorrufen kann. Stäube des Futters beim Einstreuen deshalb nicht einatmen.
  • Matratzen, Bettdecken und Kissen mit Überzügen beziehen, die den Allergie-auslösenden Kot von Hausstaubmilben nicht durchlassen oder mit einem speziellen Spray einsprühen.


Ein Kommen und Gehen

Doch wer einmal eine Allergie bekommt, muss sich nicht immer auf eine lebenslange Krankheit einstellen. Im Gegensatz zu anderen chronischen Erkrankungen können Allergien wieder verschwinden. Dazu trägt zum einen der natürliche Alterungsprozess bei, der dafür sorgt, dass die Zahl der Allergie-Antikörper sinkt, zum anderen spielen Hormonumstellungen in der Pubertät, im Verlauf einer Schwangerschaft oder während der Wechseljahre eine Rolle.

Allergen unter der Zunge

An der Allergieursache, der Sensibilisierung, greifen nur spezifische Immuntherapien an, früher bekannt als De- oder Hyposensibilisierungen. Der Arzt spritzt dem Patienten stark verdünnte Lösungen des Stoffes unter die Haut, der die Allergie auslöst. Derzeit nimmt die so genannte sublinguale Therapie immer mehr Raum ein. Der Patient bekommt dabei in bestimmten Abständen starke Verdünnungen des Allergens mit steigender Konzentration in den Mund verabreicht, genauer gesagt unter die Zunge. Das Immunsystem gewöhnt sich dadurch seine übersteigerte Reaktion ab.

In Australien bremst "Anti-IgE" die allergische Reaktion

In Australien bereits zugelassen ist ein Arzneimittel mit neuem Wirkprinzip: Ein künstlich hergestellter Antikörper gegen IgE ("Anti-IgE") pfuscht den natürlichen IgE-Antikörpern ins Handwerk, die die Allergie vorantreiben. Er bildet mit den IgE-Antikörpern im Blut kleine Komplexe, so dass diese nicht mehr mit Allergenen reagieren können. Auf diese Weise wird die Allergiekaskade gleich zu Beginn unterbrochen. Ein- bis zweimal pro Monat spritzt der Arzt das Anti-IgE unter die Haut. Im Gegensatz zur spezifischen Immuntherapie reagiert es nicht nur auf ein bestimmtes Allergen.

Bewährte Mittel gibt es viele

Auch in der Weiterentwicklung auf dem Gebiet der so genannten Antihistaminika gibt es noch Potenzial. Derzeit helfen bereits Wirkstoffe wie Cromoglicinsäure, die Mastzellen an der Histaminausschüttung hindert, oder Antazolin, Azelastin, Emedastin, Levocabastin, Cetirizin oder Loratadin, die die Wirkung von Histamin hemmen. Immer aktuell, weil hoch wirksam, bleiben Kortisonabkömmlinge, zum einnehmen oder aber lokal zum Sprühen in die Nase oder zum Inhalieren angewandt.

Sorgsam mit der Arztwahl

Mängel vermuten Experten in der Diagnosestellung: Eine Diagnose, aus der falsche Schlüsse gezogen werden, ist nicht selten – und führt die betroffenen Patienten in die Verzweiflung. Deshalb sollte man bei der Wahl des Arztes auch auf Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis zu achten und auf Aussagen zum Ruf, den ein Allergologe in einer Gegend genießt.


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