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31.07.2010, 4:29


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Infarktgefahr, wenn kein Herzblut fließt


Direkt dort, wo die Hauptschlagader am Herz ansetzt, gehen zwei Arterien zum Herzmuskel ab. Sie verzweigen sich bald darauf und umgeben den Herzmuskel mit einem Kranz (lateinisch Korona) aus Arterien, die man folgerichtig als Herzkranzgefäße (Koronararterien) bezeichnet. Über diese Arterien erhält der Herzmuskel, obwohl er nur ein halbes Prozent des Körpergewichts ausmacht, etwa fünf Prozent der umgewälzten Blutmenge. Bei körperlicher Belastung steigt die Zufuhr. "Verbrauchtes" Blut transportieren Herzvenen in den rechten Herzvorhof.

Das alles funktioniert gut, solange die Herzkranzgefäße durchgängig bleiben. Leider ist das nicht immer der Fall. Schuld daran sind Giftstoffe aus Zigarettenrauch sowie ungünstige Homocystein-, Blutfett-, Blutzucker- und Blutdruckwerte, die zu Defekten an der Innenauskleidung der Gefäße führen. Die Folge: Es bilden sich Ablagerungen. Diese engen die Blutgefäße ein – wie einen Gartenschlauch, der zugedrückt wird. Außerdem können die Ablagerungen aufreißen, woraufhin sich ein Blutgerinnsel bildet. Das kann an Ort und Stelle den Blutfluss blockieren oder abreißen, im Blutstrom treiben und andere, dünnere Gefäße verstopfen.

Verwandeln Ablagerungen und Gerinnsel den kraftvollen Blutstrom der Herzkranzgefäße in ein Rinnsal, fehlen dem Herzmuskel Sauerstoff und Nährstoffe. Es kann dadurch anfallsweise zu Beschwerden wie Atemnot und starken Brustschmerzen bis in die linke Schulter und zum Kinn kommen. Diese meist bei körperlichen oder seelischen Belastungen auftretenden, Sekunden bis Minuten dauernden Anfälle bezeichnet man als Angina pectoris. Sie sind mögliche Vorboten eines drohenden Herzinfarktes!

Ist ein Herzkranzgefäß völlig verstopft, stirbt der von ihm nicht mehr versorgte Abschnitt des Herzmuskels ab – ein Herzinfarkt entsteht. Er führt zu starken, anhaltenden Schmerzen in der Brust und in einem oder beiden Armen, die sich, im Gegensatz zur Angina pectoris, durch Nitrate nicht lindern lassen. Es besteht ein starkes Engegefühl in der Brust. In der Hälfte der Fälle tritt Luftnot auf. Begleitet wird ein Infarkt häufig von Schweißausbrüchen, Oberbauchschmerzen und Übelkeit. Speziell bei Frauen sind Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen oft die einzigen Symptome. Es kann sogar vorkommen, dass die Beschwerden sehr schwach ausgeprägt sind oder fehlen, besonders bei Diabetikern und betagten Menschen. Wichtig: Ein Infarkt entsteht oft auch, ohne dass es in den Jahren, Monaten, Wochen oder Tagen davor Warnzeichen wie Angina-pectoris-Anfälle gab.

Die Rufnummer für den Notarzt ist die 112 und in den Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg die 19222.
Bei der 19222 braucht man für Anrufe mit dem Handy eine Ortsvorwahl, sonst geht der Anruf ins Leere. Im Zweifel also mit dem Handy auch dort die 112 wählen, wo eigentlich die 19222 gilt; man gelangt dort dann zur Feuerwehr oder Polizei, die sofort richtig weiterverbinden.

Besteht der Verdacht auf einen Herzinfarkt, muss sofort ein Rettungswagen gerufen werden! An Bord befindet sich ein EKG-Gerät, mit dem der Notarzt die Herzströme messen und einen Infarkt diagnostizieren kann. Er leitet dann erste wichtige Behandlungsschritte ein. Kommt es durch den Infarkt zu einem bedrohlichen Herzkammerflimmern oder Herzstillstand, versucht er mit Elektroschocks, den Herzschlag wieder zu normalisieren. Generell gilt: Je schneller nach Beginn der Symptome gehandelt wird, desto besser die Überlebenschancen. Am besten sollten Betroffene innerhalb der ersten Stunde nach dem Infarkt in die Klinik kommen.

Dort geben bestimmte Blutwerte und, wenn durchführbar, eine Untersuchung mit dem Herzkatheter genaueren Aufschluss über das Infarktgeschehen. Mit dem Herzkatheter, der vom Arm oder von der Leiste aus zum Herzen geschoben wird, können Herzspezialisten Röntgenkontrastmittel zur Betrachtung der Herzkranzgefäße spritzen und verengte Stellen in Herzkranzgefäßen weiten. Dazu dient ein kleiner, aufblasbarer Ballon
an der Katheterspitze. Bei Bedarf wird mit dem Katheter zusätzlich ein Stent, also ein flexibles, metallenes Röhrchen, eingesetzt, um das Gefäß offen zu halten. Bei der Akutbehandlung kommen auch Medikamente zum Einsatz, beispielsweise zur Blutverdünnung oder um Gerinnsel aufzulösen (Lysetherapie). Über das genaue Vorgehen entscheiden die Ärzte.

In der Nachsorge entscheidet wieder der Patient selbst. Beschließt er, konsequent Medikamente zur Senkung überhöhter Blutdruck-, Blutfett- oder Blutzuckerwerte zu nehmen, sich gesund zu ernähren, abzunehmen und sich regelmäßig zu bewegen sowie das Rauchen aufzugeben, mindert dies sein Risiko, erneut die traumatische Situation eines Herzinfarktes erleben zu müssen. Möglicherweise verordnet der Arzt blutverdünnende Arzneistoffe, damit sich keine gefährlichen Gerinnsel bilden. Je nach Wirkstoff kann dabei die Messung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes erforderlich sein, die viele Patienten mit einem handlichen Gerät aus der Apotheke zu Hause selbst durchführen können.

Mit diesen Verhaltensweisen und Medikamenten lässt sich natürlich auch Vorsorge betreiben, um bereits den ersten Infarkt zu vermeiden. Bei erheblichen Risiken, wie etwa starker Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen, können zudem vorsorglich einoperierte "Umleitungen" an den Herzkranzgefäßen, auch Bypässe genannt, Verengungen überbrücken. Diese kann man aber auch mit dem Ballonkatheter oder einem Stent weiten. Wichtig für die Vorsorge ist bei noch herzgesunden Menschen der Herz-Kreislauf-Check-up beim Arzt, den die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten ab 35 Jahren alle zwei Jahre bezahlen. Herzkranke Menschen müssen nach Maßgabe des Arztes häufiger zur Kontrolle gehen.



Informationsmaterial kann gegen die Einsendung des Rückportos (1,44 Euro pro Broschüre oder Sonderdruck) unter folgender Adresse angefordert werden:

Deutsche Herzstiftung e. V.,
Vogtstraße 50,
60322 Frankfurt am Main


www.herzstiftung.de/Broschueren.htm




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