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31.07.2010, 4:47


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Morbus Alzheimer


Etwa 900 000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Alzheimer. Es kommt dabei zu einer langsamen Zerstörung von Nervenzellen und damit der Langzeitspeicher des Gehirns. Die Betroffenen verlieren nicht nur den Kontakt zur Gegenwart, sondern auch den zur Vergangenheit, also nahezu alles, was ihre Persönlichkeit ausmacht. Der größte Risikofaktor der Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Weil sie länger leben, erkranken deshalb auch mehr Frauen als Männer.

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Im frühen Stadium fallen Gedächtnisstörungen auf. Die Patienten können sich nicht mehr oder nur bruchstückhaft an Gespräche oder Informationen aus Zeitungen erinnern. Sie vergessen Verabredungen und verlegen Sachen, die sie nicht mehr finden. Die Patienten wissen um die nachlassende Leistungsfähigkeit ihres Gehirns und sind deswegen verunsichert und beschämt. Es wird zunehmend schwierig, den Anforderungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden.

Bis zur völligen Hilflosigkeit

Im mittleren Stadium ist es nicht mehr möglich, selbstständig zu handeln und zu leben. Beim Kontakt mit anderen, beim Einkaufen, im Haushalt, beim Duschen und beim Aufsuchen der Toilette wird Hilfe gebraucht. Das Zeitgefühl geht verloren, die Nacht wird zum Tage gemacht, und es gelingt nicht mehr, noch vollständige Sätze zu sprechen. Manchmal erkennt der Kranke die nächsten Angehörigen nicht mehr. Im fortgeschrittenen Stadium gelingt nichts mehr ohne fremde Hilfe. Kontrollen über Darmentleerung oder Körperhaltung gehen zunehmend verloren. Der Kranke kann nicht mehr alleine gehen und wird bettlägerig. Meist stirbt er an einer Lungenentzündung.

Behandlung

Eine Heilung der Erkrankung ist bisher nicht möglich. Wirkstoffe mit denen der Krankheitsverlauf gebremst werden kann, heißen Rivastigmin, Galantamin und Donepezil. Sie verhindern den Abbau des Nervenbotenstoffes Acetylcholin. Unterstützung sollen pflanzliche Präparate bieten, die Ginkgo biloba enthalten. Aus den Blättern des Baumes werden Extrakte gewonnen, die die Hirndurchblutung steigern können.

Die Krankheit akzeptieren

Die Alzheimer-Krankheit hat immer mehrere Opfer: Zum einen den Patienten selbst. Zum anderen sind es die Angehörigen, der die Last der ständigen, am Tage wie in der Nacht nicht endenden Umsorgung auf sich nehmen. Die Pflege eines Alzheimer-Patienten zählt zu den stärksten Herausforderungen, die einem Menschen auferlegt werden können. Die vielleicht wichtigste Regel für den Umgang mit den Betroffenen ist, sie so zu akzeptieren, wie sie sind, denn ihnen fehlen Einsicht und Kraft, sich zu ändern. Sie leben in einer eigenen, für andere völlig unverständlichen Welt und haben eigenartige Bedürfnisse und Wünsche. Sie deswegen zu kritisieren oder gar zurechtzuweisen, ist zwecklos.

Vom Gedächtnistraining wird abgeraten

Es ist falsch, den Kranken jede Aufgabe abzunehmen, denn das mindert ihre Selbstachtung. Die Kleidung etwa lässt sich so vereinfachen, dass sich Betroffene noch eine Zeit lang selbst an- und ausziehen können. Andere Aufgaben kann man in einzelne Schritte aufteilen und so das Gefühl vermitteln, dass der Kranke noch eigenständig etwas zustande bringt. Bei den täglichen Arbeiten im Haushalt sollten geübte Fähigkeiten weiter geübt werden, denn auch dies vermittelt das Gefühl, noch nützlich zu sein. Gedächtnistraining, wie es für die meisten Demenzkranken empfohlen wird, ist für Alzheimer-Patienten sinnlos und wäre nur frustrierend. Besser ist es, mit ihnen über Ereignisse des Tages zu sprechen oder über angenehme Erlebnisse von früher, an die sie sich erinnern. Ein gleichbleibend geregelter Tagesablauf hilft, ebenso nutzen Orientierungshilfen wie Hinweisschilder in der Wohnung, helles Licht und auch die Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht.

Vergesslichkeit ist nicht gleich Alzheimer

Störungen der Hirnleistung können auch leicht erklärliche Ursachen haben, die sich oft wieder abstellen lassen. So zum Beispiel:
  • Fieber,
  • Flüssigkeitsmangel,
  • chronische Übermüdung,
  • Zeitzonenverschiebungen bei Flugreisen,
  • ständige Reizüberflutung,
  • Überforderung und Stress,
  • Alkoholkonsum oder
  • Herzrhythmusstörungen.

Außerdem können Atemstörungen während des Schlafe (Schlaf-Apnoe), eine Schilddrüsenunterfunktion sowie Depressionen die Hirnleistung mindern und zu ähnlichen Symptomen führen.

Studien zum Thema

Alzheimer-Patienten werden in Deutschland nicht optimal mit Arzneimitteln versorgt. Nur 13 Prozent der Betroffenen erhalten Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Dieses Verordnungsverhalten beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Kranken und ihrer Angehörigen. Es ist auch unwirtschaftlich, weil schon eine geringfügige Verschlechterung des Zustandes eines Patienten die Pflege- und Betreuungskosten sprunghaft ansteigen lässt. Rund 60 Prozent der rund 650 000 Alzheimer-Patienten in Deutschland bräuchten aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums Medikamente gegen die Demenz.


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