Anzeige:
Home
31.07.2010, 4:45


Erste Hilfe

Arzneimittel

Krankheiten & Beschwerden

So funktioniert der Körper

Wellness, Fitness, Health

Recherche Spezial



Stichwortsuche:



Hier finden Sie Ihren Suchbegriff
im Lexikon und in den Seiten der
Neuen Apotheken Illustrierten.

Poliomyelitis-Impfung


Am 21. Juni 2002 bestätigte die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Region "Europa" – ein Gebiet bestehend aus 51 Ländern in Europa und Zentralasien und 870 Millionen Bewohnern – offiziell "Polio-frei" ist. Vorher waren nur die Region Amerika und der westpazifische Raum ohne Fälle von Kinderlähmung. Bis zum Jahr 2005 soll die ganze Welt Polio-frei sein, so dass Ziel der WHO.

60 000 Deutsche leiden heute unter den Folgen

Im Jahr 1952 traten in Deutschland noch etwa 20 000 Fälle von Kinderlähmung oder medizinisch Poliomyelitis auf. In den USA waren es sogar noch mehr: 60 000 Menschen – in den meisten Fällen Kinder – erkrankten. Dass der Ausbruch dieser grausamen Infektionskrankheit in den fünfziger Jahren die letzte große Polio-Epidemie war, ist dem amerikanischen Wissenschaftler Jonas Edward Salk (1914 – 1995) zu verdanken. Er entwickelte zu dieser Zeit den ersten wirksamen Impfstoff gegen Kinderlähmung.

Größte jemals durchgeführte Studie für den Polio-Impfstoff

Im Jahr 1955 konnten weltweite Impfkampagnen anlaufen, nachdem der Impfstoff in der größten jemals durchgeführten klinischen Studie an 650 000 Menschen erfolgreich getestet worden war. Allerdings musste das aus abgetöteten Viren bestehende Salk-Präparat gespritzt werden. Der große Erfolg der Impfkampagne wurde erst durch Forschungsergebnisse des Bakteriologen Albert Bruce Sabin (1906 – 1993) möglich: Ihm gelang die Entwicklung eines als Tropfen auf einem Stück Würfelzucker einzunehmenden Mittels mit abgeschwächten lebenden Viren, das es seit 1961 gibt.

"Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist bitter"

Dieser Werbeslogan für die Impfung hat seine eindringliche Wirkung auf Generationen von Eltern und Kindern nicht verfehlt. Und ist doch auch schon wieder Geschichte: Heute impft man gegen Polio wieder mit der Spritze. Die Schluckimpfung enthielt vermehrungsfähige, abgeschwächte Viren, die zum Teil mit dem Stuhl ausgeschieden wurden. Dadurch bestand für ungeimpfte Kontaktpersonen des Impflings die Gefahr, sich mit der Kinderlähmung anzustecken. Für die Impfung per Spritze werden nicht vermehrungsfähige, inaktivierte Viren verwendet, so dass keine Ansteckungsgefahr besteht. Beide Impfstoffe sind gleich wirksam.

So wird geimpft

Die STIKO (Ständige Impfkommission) am Robert-Koch-Institut empfiehlt bei Polio folgendes Impfschema:
  • 1. Impfung nach vollenden des 2. Lebensmonats.
  • 2. Impfung nach vollenden des 3. Lebensmonats (kann bei bestimmten Impfstoffen entfallen).
  • 3. Impfung nach vollenden des 4. Lebensmonats.
  • 4. Impfung nach vollenden des 11 bis 14. Lebensmonats.
  • Eine Auffrischimpfung im Alter von 9 bis 17 Jahren. Diese sollte erst 5 Jahre nach der letzten Impfdosis erfolgen.

Die Abstände zwischen den Impfungen sollen mindestens 4 Wochen, der Abstand zwischen vorletzter und letzter Impfung sollen mindestens 6 Monate betragen.

Konsequente Impfmaßnahmen sind nötig

Der jährliche "Welt-Polio-Tag" soll daran erinnern, dass nur bei weiteren konsequenten Impfmaßnahmen die Krankheit völlig ausgerottet werden kann. Sie kommt in Entwicklungsländern Afrikas und Asiens noch immer regelmäßig vor und kann von dort wieder nach Europa eingeschleppt werden. Denn: Der Impfstatus in Deutschland ist löchrig, so Experten. Ungefähr 87 Prozent der deutschen Kinder haben zwar eine Grundimmunisierung gegen Polio, aber beinahe 60 Prozent fehlt die vierte Booster-Impfung.

Bedrohung durch fremde Viren

Der unvollständige Impf-Schutz reicht gegen Erreger, die aus anderen Ländern eingeschleppt werden, oft nicht aus. Bei ausländischen Kindern zeigt sich ein noch uneinheitlicheres Bild in Bezug auf den Impfstatus bei Polio, ebenso bei erwachsenen Asylbewerbern. Hier sind gar 40 Prozent restlos ungeschützt. Wenn die Grundimmunisierung und die Booster-Vakzinierung nicht ernst genommen wird, wird eine Generation von Bürgern heranwachsen, die keinen Impfschutz gegen Polio hat, und eingeschleppte Viren werden sich ausbreiten, befürchten Wissenschaftler deshalb.

Studien zum Thema

Zehntausende ehemals von Kinderlähmung betroffene Menschen in Deutschland sind über die Spätfolgen der Krankheit nicht ausreichend informiert. Etwa 60 bis 70 Prozent der Betroffenen leiden unter dem so genannten Post-Polio-Syndrom und zwar oft, ohne es zu wissen. Symptome, die erst Jahrzehnte nach der Erkrankung auftreten, wie zum Beispiel Muskel- und Gelenkschmerzen oder Atemnot, werden häufig nicht mit der Kinderlähmung in Verbindung gebracht.



12/02





Zurück zur Startseite

Copyright © 2010 Neue Apotheken Illustrierte / GOVI Verlag


Home | Impressum | Presse | Mediainformationen | Copyright-Hinweis | GOVI Verlag

Haben Sie Fragen zum Inhalt? Dann wenden Sie sich bitte an redaktion@nai.de