Gut leben trotz Rheuma
Gegen Schmerzen kommen sowohl bei entzündlichem Rheuma als auch bei Arthrose so genannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz. Eine Arzneimittelfamilie mit sehr unterschiedlichen "Mitgliedern". Da gibt es die "Väter", die wie Diclofenac schon seit Jahren im Einsatz sind,und die "Nachkommen", die auf den Namen Coxibe beziehungsweise COX-2-Hemmer hören. Gerade über die noch jungen und eigentlich fortschrittlichen Medikamente diskutieren Wissenschaftler derzeit kontrovers.
Welches Schmerzmittel: altbewährt oder neu entwickelt?
Was ist los mit den "Neuen"? Sie wurden entwickelt, um gewichtige Nebenwirkungen einzudämmen: Übelkeit, Magenbeschwerden, zum Teil bis zur Magenblutung, die den "alten Hasen" anhaften. "Ziel erreicht", konnten Wissenschaftler aufatmen, als die ersten Coxibe auf den Markt kamen. Bis zu 50 Prozent weniger Magenbeschwerden ein riesiger Fortschritt zu Gunsten der Patienten. Dann, im Jahr 2004, die Wende: Aus Studien ergaben sich Hinweise für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bei bereits herzkranken Menschen unter einer Therapie mit Coxiben. Grund genug für die europäische Zulassungsbehörde EMEA, im Februar 2005 eine Empfehlung auszusprechen: Coxibe sollen möglichst nicht bei Patienten mit Herz-Kreislauf- Problemen zum Einsatz kommen. Im Juni dieses Jahres bekräftigte die europäische Behörde ihre Einschätzung, kündigte aber gleichzeitig an, auch bei altgedienten Vertretern der NSAR nachzuforschen, ob sie die Herzgesundheit beeinflussen. Abschließende Ergebnisse hierzu liegen noch nicht vor.
Wie lässt sich der Schmerz angesichts der aktuellen Debatte möglichst sicher und nebenwirkungsarm lindern?
Gute Ratschläge:
- Bei bereits vorhandenen Problemen mit Magen oder Darm:
Hier können die magenschonenderen Coxibe empfohlen werden, sofern nicht gleichzeitig ein Herz- Kreislauf-Risiko vorliegt.
- Bei Herz-Kreislauf-Problemen:
Nach bisheriger Datenlage können NSAR eingesetzt werden, aber keine Coxibe. Der Arzt entscheidet, ob zusätzlich herzschützende Acetylsalicylsäure sowie bei Menschen mit Magen-Darm-Problemen ein den Magen schützendes Präparat sinnvoll ist.
- Grundsätzlich sollten alle diese Schmerzmittel immer so niedrig wie möglich dosiert werden und so kurz wie möglich zum Einsatz kommen.
- NSAR/Coxibe nie abrupt absetzen, sondern immer langsam ausschleichen.
- Bei Nebenwirkungen den Arzt infomieren.
Wann Kortison?
Gute Ratschläge:
- Kortikoide haben sowohl in niedriger Dosis über einen längeren Zeitraum als auch in sehr hoher Dosis für kurze Zeit kaum Nebenwirkungen. Auch Kortisonspritzen in ein Gelenk lassen den restlichen Körper beinahe unangetastet. Solche Spritzen werden zum Beispiel in Fällen schwerer Arthrose verabreicht.
- Kortikoide morgens einnehmen, das kommt dem Biorhythmus des Körpers entgegen. Bei hohen Dosen nimmt man zwei Drittel am Morgen, ein Drittel am Abend ein. Kinder bekommen meist nur alle 48 Stunden eine Dosis.
- Kortikoide nie eigenmächtig absetzen.
- Vom Arzt anberaumte Kontrolltermine wahrnehmen,um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen.
Pflanzliche Arzneimittel
Ob entzündliches Rheuma oder Arthrose: Pflanzliche Arzneimittel können die Therapie in beiden Fällen ergänzen. Es besteht sogar die Chance, durch ihre Wirksamkeit die Dosis von Schmerzmitteln verringern zu können. Zu den bis dato gut untersuchten Pflanzenextrakten gehören solche aus Weidenrinde,Teufelskralle sowie äußerlich angewandte Extrakte aus Beinwell und Arnika.
Gute Ratschläge:
- Mit pflanzlichen Präparaten nicht gegen akute Beschwerden angehen. Dazu eignen sie sich nicht.
- Arzneimittel regelmäßig einnehmen, denn nur so baut sich binnen zwei bis drei Wochen eine wirksame Konzentration der pflanzlichen Wirkstoffe im Körper auf. Die Schmerzmitteldosis frühestens nach drei Wochen reduzieren und dies nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Basisarzneimittel
So genannte Basisarzneimittel kommen bei entzündlichem Rheuma zum Einsatz. Sie bremsen die Gelenkentzündung. Eines der Standardmittel ist Methotrexat. Basisarzneimittel sollen an der "Basis" heilen, also dort, wo Rheuma entsteht. Ansatzpunkt ist somit das Immunsystem, die Medikamente sollen seine Fehlsteuerung korrigieren. Die Einnahme lohnt sich, die Erfolge auch im Hinblick auf geringere Schmerzen verblüffen selbst Ärzte immer wieder.
Basisarzneimittel können als Nebenwirkung unter anderem die Arbeit des Immunsystems stören. Viren und Bakterien haben dann leichtes Spiel,den Betroffenen krank zu machen.
Gute Ratschläge:
- Kontakt zu Menschen mit grippalen oder anderen Infekten möglichst meiden.
- Keine so genannten Immunstimulanzien einnehmen. Diese regen das Immunsystem unspezifisch an, niemand weiß, wie das bei entzündlichem Rheuma ohnehin fehlgesteuerte Immunsystem darauf reagiert.
- Mit dem Arzt vereinbarte Kontrolltermine unbedingt einhalten. Sie dienen auch dazu,Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.
- Basisarzneimittel nie eigenmächtig absetzen.
Biologika
Gegen entzündliches Rheuma kann der Arzt unter bestimmten Bedingungen auch zu Arzneimitteln aus der noch jungen Gruppe der Biologika greifen. Sie werden gespritzt und greifen in das krankhaft veränderte Immungeschehen regulierend ein. Weil diese Arzneimittel noch neu sind, Erfahrungen in der Dauertherapie also noch fehlen, gilt es hier in besonderem Maße, das Vorgehen des Arztes zu unterstützen. Dazu müssen Betroffene alle Kontrolltermine wahrnehmen und ihrem Arzt eine veränderte Befindlichkeit sofort mitteilen.
Lese-Tipp
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Kortikoide oder Glukokortikoide heißen die aus körpereigenem Kortisol entwickelten Arzneistoffe. Sie sind die Arzneimittel der Wahl, wenn es darum geht, lang anhaltende Entzündungen im Körper zu hemmen, zum Beispiel bei entzündlichem Rheuma und bei Arthrose. Große Mengen Kortisone über einen längeren Zeitraum haben allerdings Nebenwirkungen, sie beeinflussen zum Beispiel den Zucker-, Hormon- und Knochenstoffwechsel oder sorgen für Stimmungsschwankungen.
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