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Das große Hoffen der Rheumatiker
Rheumatiker waren stets, weil ihnen nur wenig geholfen werden kann, die Sorgenkinder der Medizin. Doch noch nie waren die Aussichten besser als heute, nicht wie bisher nur die Symptome, sondern bald auch die Ursachen von Gelenkentzündungen und Gelenkverschleiß angehen zu können.
Dr. med. Jürgen Wollenhaupt aus der Abteilung für Rheumatologie und klinische Immunologie des Krankenhauses Hamburg-Eilbek äußert dazu: "Dem Rheumakranken wird man in den kommenden Jahren bezüglich Therapie und Rehabilitation immer besser helfen können. Die Forschung gibt jedenfalls Anlass zu großen Hoffnungen". Jeder zehnte Deutsche ist an einer der mehr als 400 verschiedenen Rheumaformen erkrankt. Schon Jahrhunderte vor Christi Geburt litten Menschen unter dem "fließenden Schmerz!, wie der aus dem Griechischen stammende Begriff Rheuma übersetzt wird.
Hilfe in schweren Fällen
Hoffnungsträger der neuen Therapien gegen Arthrose und Arthritis sind Arzneimittel, die nicht mehr nur den Schmerz angehen, sondern die Entstehung einer Gelenkentzündung und die Zerstörung des Gelenkknorpels verhindern sollen. Zu ihnen gehören Antikörper gegen den Tumor-Nekrose-Faktor Alpha (TNF-alpha), der eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Gelenkentzündung spielt. Seit mehr als einem Jahr wird TNF-alpha in Deutschland für die Behandlung einzelner schwerer chronischer Fälle von Polyarthritis eingesetzt.
Wirkung begrenzt
Die "Münchner Medizinische Wochenschrift" hatte vor einiger Zeit über eine wissenschaftliche Studie an den vier europäischen Rheuma-Zentren London, Leiden, Wien und Erlangen berichtet und dabei geschrieben: "Die Patienten merkten praktisch innerhalb weniger Tage einen Rückgang der Schwellungen sowie sehr schnell ein Nachlassen von Schmerzen und Steifigkeit." Der Erfolg hat leider auch eine Kehrseite: Je nach Dosierung lässt die Wirkung der Antikörper nach bis zu drei Monaten wieder nach und die Entzündung setzt wieder ein. Und der Preis ist astronomisch: Etwa 20 000 Euro kostet die Behandlung eines einzigen Patienten pro Jahr. Weitere Immuntherapeutika, die spezifisch in den Entzündungsprozess eingreifen, sind zur Zeit weltweit in der Erprobung.
Therapie dringend nötig
Große Erwartungen verbinden sich auch mit einem Hemmstoff gegen das Interleukin 1. Der Stoff wird für die Arthrose und damit für die Zerstörung des Gelenkknorpels verantwortlich gemacht. Wollenhaupt rechnet damit, dass der Interleukin-1-Antagonist in einem bis zwei Jahren in Deutschland zugelassen werden kann. Er erklärte dazu: "Wir erhoffen uns von diesen Präparaten große Erleichterungen für unsere Patienten."
Hilfe aus der Natur
Pflanzliche Arzneimittel gegen Rheuma eignen sich zwar nicht für eine Akuttherapie, sie können aber langfristig dazu beitragen, die Dosis von Schmerzmitteln oder Kortison-Abkömmlingen zu verringern. Zu den in diesem Bereich traditionell genutzten pflanzlichen Arzneimitteln zählen Extrakte aus der Weidenrinde, der Brennnessel, der Teufelskralle und auch eine Kombination aus Eschenrinde, Zitterpappel und echtem Goldrutenkraut. Auch Vitamin E kommt in der Behandlung des Rheumas zum Einsatz. Hier sollte es sich um ein hoch dosiertes Präparat (600 bis 800 internationale Einheiten, I.E.) handeln, mit der chemischen Bezeichnung "RRR-alpha-Tocopherol". Omega-3-Fettsäuren zeichnen sich durch eine entzündungshemmende Wirkung aus. Ihr Apotheker hilft Ihnen bei diesen, die Therapie ergänzenden Arzneimitteln, gerne weiter.
Schon in jungen Jahren krank
Mehr als drei Viertel aller rheumatischen Erkrankungen betreffen arthrotisch-degenerative Prozesse, die schon bei noch sehr jungen Menschen einsetzen können. Schmerzhaft wird die Gelenkveränderung jedoch erst und immer wieder neu, wenn sich zusätzlich eine Entzündung einstellt. Bei der Arthrose wird allmählich der Gelenkknorpel zerstört, er wird rau, und das sonst reibungsfreie Gleiten der im Gelenk miteinander verbundenen Knochen geht verloren. Es fehlt dann die Federungsfunktion des Knorpels, und der auf dem Gelenk ruhende Belastungsdruck geht schmerzhaft direkt auf den Knochen über.
Deformierungen von Händen und Füßen
Ähnlich wie das Verschleißrheuma ist auch das auf Entzündungen basierende Rheuma, also die rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis, ein Problem in allen Erdteilen. Rund um den Globus sind 0,5 Prozent aller Menschen vom Entzündungsrheuma betroffen. Es spielt sich hauptsächlich in den kleineren Gelenken der Hände, Finger und Füße ab. Hat die Gelenkentzündung einmal begonnen, so berichtet Wollenhaupt, sei sie ohne gezielte fachärztliche Behandlung in aller Regel nach drei Jahren so weit fortgeschritten, dass der Patient berufsunfähig sei. Man geht davon aus, dass das Immunsystem des Rheumatikers seine Abwehrkräfte gegen körpereigenes Gewebe richtet. Speziell die empfindliche Gelenkinnenhaut ist betroffen. Sie wird nach und nach zerstört, so dass es auch hier zu arthrotischen Gelenkveränderungen kommt. Die Deformierungen von Händen und Füßen können enorme Ausmaße annehmen. Auch schon Kinder und Säuglinge können von der Polyarthritis betroffen sein.
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