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08.09.2010, 20:47


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Schüttellähmung (Morbus Parkinson)


Schätzungsweise 3 Prozent der über Siebzigjährigen leiden an dem Parkinson-Syndrom. Bei der Erkrankung gehen in einer Region des Gehirns, der Substantia nigra, Nervenzellen zu Grunde. Warum es zu diesem Zelluntergang kommt, ist noch nicht geklärt.
Die Nervenzellen stellen den für Körper und Seele wichtigen Botenstoff Dopamin her. Sie beteiligen sich an der Motorik, also an der Fähigkeit, Bewegungen koordiniert auszuführen, an psychischen und hormonellen Prozessen. Klar, dass im Körper Chaos herrscht, wenn die Nervenzellen und damit der Botenstoff Dopamin ausfallen.
Zum Verständnis der Erkrankung und auch der Therapie muss noch auf einen zweiten Botenstoff, das Acetylcholin, hingewiesen werden. Stark vereinfacht kann man sagen, dass es durch die Dopamin-Verarmung zu einem relativen Acetylcholin-Überschuss kommt. Dieser ist für das Zittern und die Muskelanspannungen verantwortlich. Der Dopamin-Mangel verursacht die Bewegungsstörungen (Akinese) verursacht.


Anfangssymtome der Schüttellähmung sind

  • Schmerzen,
  • Haltungs- und Gangstörungen,
  • schnelle Ermüdbarkeit,
  • inneres Zittern,
  • Schreibstörungen
  • Ungeschicklichkeit und Stürze.

Wenn rund 70 Prozent der Nerven zerstört sind, zeigen sich Symptome des fortgeschrittenen Stadiums:

  • Versteifung von Muskeln (Rigor),
  • Bewegungshemmung (Akinese),
  • Zittern (Tremor),
  • vermehrter Speichel- und Tränenfluss,
  • Funktionsstörungen von Blase und Darm,
  • eingeschränkte Gesichtsmimik,
  • so genanntes Salbengesicht durch erhöhte Talgproduktion,
  • kleine, trippelnde Schritte,
  • psychische Störungen, zum Beispiel Depressionen,


Die Behandlung

Die Parkinson-Therapie basiert auf verschiedenen Arzneimitteln, einer Bewegungs- und einer Psychotherapie. Die Medikamente zielen darauf, möglichst wieder ein Gleichgewicht der beiden Substanzen zu erreichen.
Standard unter den Parkinson-Arzneimitteln ist der Arzneistoff Levodopa. Diese Substanz dient im Körper als Vorstufe für das fehlende Dopamin. Im Gehirn baut ein Enzym Levodopa zu Dopamin um. Allerdings nicht nur dort. Bereits im Körper machen sich Enzyme über den Arzneistoff her. Das entstandene Dopamin hilft hier jedoch nicht, sondern verursacht Nebenwirkungen. Um sie einzudämmen, entwickelten Wissenschaftler die Enzym-Hemmstoffe Benserazid und Carbidopa, die man zum Levodopa verabreicht. Viele Ärzte kombinieren Levodopa zu Beginn der Erkrankung auch mit Substanzen, die das Dopamin länger wirken lassen. Dazu gehört zum Beispiel der Arzneistoff Selegilin.
So genannte Dopamin-Agonisten lösen im Gehirn dieselben Effekte aus wie Dopamin. Es gibt Hinweise darauf, dass zum Beispiel die Substanz Ropinirol aus dieser Gruppe Nervengewebe vor dem weiteren Untergang schützen kann. Weitere Dopamin-Agonisten sind Cabergolin, Lisurid und Pergolid.
Der Arzneistoff Entacapone wirkt, weil er das Enzym COMT im Gehirn daran hindert, Dopamin von seiner Wirk- in seine Speicherform umzubauen. Man bezeichnet ihn deshalb auch als COMT-Hemmer.
Ebenfalls häufig eingesetzt wird der Stoff Amantadin, der ursprünglich zur Grippe-Prophylaxe entwickelt wurde. Amantadin blockiert so genannte NMDA-Rezeptoren, über die der Botenstoff Glutamat – wie Acetylcholin –zur einer verstärkten Erregung führt.

Bewegungen wieder lernen

Doch ohne Krankengymnastik hilft kein Arzneimittel. Sie ist unabdingbar, um vorhandene Bewegungsmuster zu erhalten und verlorene wieder zu erlernen.

Schrittmacher im Gehirn

Immer häufiger wird Parkinson-Patienten ein Schrittmacher ins Gehirn eingepflanzt. Diese Elektrode wird so programmiert, dass sie die an der Parkinsonschen Krankheit beteiligten Hirnregionen elektrisch mit hoher Frequenz stimuliert. Dadurch verbessert sich die Zitterbewegung bei rund 90 Prozent der Patienten noch während der Operation.
Die Elektrostimulation ist keine ursächliche Behandlung. Die Medikamente müssen weiterhin eingenommen werden. Die Dosis kann allerdings in Absprache mit dem Arzt reduziert werden. Die Therapie st bisher nur schwer erkrankten Patienten vorbehalten, bei denen Medikamente nicht mehr weiterhelfen. Die Operation wird nur in Spezialzentren durchgeführt.



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