Venenpflege im Sommer? Jetzt erst recht!
„Tragen Sie die Strümpfe jeden Tag!“, hallt der Rat des Arztes in Lenas Ohren nach. Doch genau das kann sie sich gerade jetzt im Hochsommer überhaupt nicht vorstellen. Lena hat Krampfadern, ihre Fußgelenke sind bereits morgens geschwollen, und wenn sie nach einem langen Bürotag nach Hause kommt, schmerzen ihre Beine derart, dass sie sie am liebsten nur noch hoch legen will. Ihr Arzt hat eine chronische Veneninsuffizienz, kurz CVI genannt, festgestellt, und sie weiß, wenn sie jetzt nicht dagegen angeht, gefährdet sie ernsthaft ihre Gesundheit. Denn zum einen können Blutklümpchen, die sich in den Beinvenen gebildet haben, in die Lunge wandern und dort eine lebensgefährliche Embolie auslösen, und zum anderen besteht die Gefahr, dass sich in Folge der mangelnden Durchblutung eine offene Stelle am Bein - ein so genanntes Ulcus cruris - entwickelt.
Kompression: das A und O
Was bewirken nun aber Kompressionsstrümpfe? Sie umhüllen das Bein wie eine zweite Haut und üben je nach Stärke mehr oder weniger Druck auf die oberflächlichen und tiefen Venen aus. Der Durchmesser der ausgeweiteten, nicht funktionsfähigen Gefäße verengt sich, so dass das Blut schneller zum Herzen zurückfließt. Haupteffekte: Das Thrombose- und Embolierisiko sinkt, die Beindurchblutung wird verbessert, und die Beine schwellen nicht mehr so stark an. Außerdem fühlen sich die Beine weniger schwer und müde an. Langfristig verhindert man durch das Tragen der Strümpfe Hautverhärtungen und unschöne Hautpigmentierungen.
Will man diese Wirkungen erzielen, ist es allerdings notwendig, den vom Arzt verordneten und in der Apotheke individuell angepassten Strumpf konsequent jeden Tag von früh bis abends zu tragen. Auch oder gerade bei sommerlichen Temperaturen. Denn die Venenbeschwerden nehmen in der Regel bei Wärme noch zu. Dank moderner Materialien wie Mikrofasern hat sich der Tragekomfort sowie die Optik der medizinischen Kompressionsstrümpfe erheblich verbessert. Sie sind luftdurchlässig und erinnern kaum noch an den verpönten Gummistrumpf von einst. Anfangs kann allerdings das Anziehen der Strümpfe zum Problem werden. Die tägliche Übung und verschiedene Anziehhilfen können die Prozedur erleichtern.
Bessern sich die Beschwerden durch die Kompressionstherapie nicht merklich, entscheidet der behandelnde Arzt, ob Maßnahmen wie Bandagieren oder Lymphdrainage erforderlich, oder möglicherweise eine Operation sinnvoll ist.
Naturarznei und Bewegung
Lena hat sich in der Apotheke beraten lassen. Zusätzlich zu ihren Kompressionsstrümpfen, die sie täglich trägt, betreibt sie nun auch „Venenpflege von innen“. Zu diesem Zweck nimmt sie jeden Tag ein Präparat mit durchblutungsfördernden Wirkstoffen ein, die obendrein die Gefäßwände abdichten. Die Palette dieser Arzneistoffe ist groß und reicht von Aescin aus der Rosskastanie, über Extrakte aus rotem Weinlaub und dem Mäusedornwurzelstock bis zu Steinkleekraut und Oxerutin aus dem Japanischen Schnurbaum.
Lena weiß jetzt auch: Sitzen und stehen sind schlecht, lieber laufen und liegen. Zwar kann sie das bei ihrer Arbeit im Büro nur eingeschränkt realisieren, dennoch versucht sie so oft wie möglich, von ihrem Schreibtischstuhl aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen. Nach Feierabend nutzt sie immer häufiger das schöne Wetter, um noch eine halbe Stunde zu radeln oder sich mit einer Freundin zum flotten Spaziergang durch den Park zu treffen. Ihr ist bewusst: Zum Vorbeugen ihres Venenleidens ist es zwar zu spät, ein Fortschreiten kann sie aber auf jeden Fall verlangsamen.
Abschied von den Besenreisern
Die bläulich-rötlichen Äderchen, die netzartig durch die Haut schimmern, stellen oft nur ein kosmetisches Problem dar. Sie können aber auch im Zusammenhang mit Krampfadern stehen und ein erstes Anzeichen für eine Venenerkrankung sein. Wer Besenreiser loswerden möchte, kann sie sich von einem Venenspezialisten mit speziellen Substanzen verschließen lassen, die dazu in die Basis feiner Gefäßbäumchen gespritzt werden. Eine gewollte Entzündung der zugehörigen Gefäße folgt, wodurch deren Wände verkleben. Im Verlauf der nächsten ein bis drei Wochen lösen sich die Besenreiser auf. Die Technik nennt man auch Sklerosierung. Es gibt zudem die Möglichkeit einer Laserbehandlung, bei der der Mediziner nach örtlicher Betäubung die betroffenen Gefäße mit einem hoch energetischen Laser bestrahlt. Die Besenreiser verkleben, und das Blut sucht sich seinen Weg durch gesunde Gefäße. Beide Therapien erfordern in der Regel mehrere Sitzungen, aber keinen Krankenhausaufenthalt.
Tipps für den Alltag
- langes Stehen und Sitzen vermeiden
- ab und zu auf die Zehenspitzen stellen und im Zehenstand wippen
- mit den Füßen kreisen
- Beine so oft wie möglich hoch lagern (auch nachts)
- empfehlenswert: Ausdauersportarten wie Joggen, Walken, Schwimmen, Radfahren
- Wechselbäder oder -duschen trainieren die Eng- und Weitstellfunktion der Venen
- ausgedehnte Sonnenbäder vermeiden
- Salzkonsum reduzieren
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